Galerie und Kunstverein Laterne - versteht sich und seine Tätigkeit als Dienstleister zur Förderung von Künstlern, künstlerischen Unternehmungen, Kunstprojekten, Ausstellungen, soziokulturellen Projekten, er versucht auf zeitlich auftretende Diskussionen und Probleme zeitnah zu reagieren. 

Vor allem mit den Mitteln der Bildenden Kunst - aber auch mit der ihr verbundenen Sparten soll aktiv auf das Zeitgeschehen Einfluss genommen werden. Hierbei wird nicht nur an die Künstler und Macher der Szene gedacht, sondern auch an die Betrachter, Interessierten und Rezipienten, die von den verschiedenen künstlerischen Positionen angeregt und in ihrer täglichen Arbeit zu neuen innovativen Leistungen inspiriert werden. 

Beide Positionen – die der Kunstschaffenden und die der Kunstbetrachter - sollen miteinander verbunden werden, um das Anliegen, in der Stadt Chemnitz ein künstlerisches attraktives und interessantes Umfeld zu erzeugen, zu erhalten und zu erweitern, welches die Bürger der Stadt - vor allem Familien und junge Leute – sowie Gäste, Firmen und Kunden anzieht und bei ihrer Entscheidung in der Region zu bleiben oder hier tätig zu werden, unterstützt. Der Verein sieht sich hier als Vermittler und bildet einen kreativen Raum, in dem die Begegnungen und Anregung stattfinden.



Grundriss der Galerie



Geschichte des Chemnitzer Kunstvereins LATERNE aus der Sicht eines Betroffenen (Andreas Schüller)

 

Um das Unternehmen LATERNE überhaupt verstehen zu können, muss man sich zuerst mit Dingen beschäftigen, welche zeitlich früher anzusiedeln sind als die eigentliche Gründung des Vereins am 1.Juni 1991 - damals noch unter dem bezeichnenden Namen "Totales Theater Chemnitz e.V.". Bei meinen Recherchen musste ich jedoch feststellen, dass gerade aus diesem vorangegangenen Zeitraum kaum Schriftliches, wie Plakate, Einladungskarten oder Ähnliches dem Nagen des Zeitzahns standgehalten haben. So muss ich mich auf das wenige Übriggebliebene und mein lückenhaftes Gedächtnis verlassen.

 

Begonnen hatte es damit, dass ich 1984 auf Ateliersuche war und ein leerstehendes Hinterhaus in der Fritz-Reuter-Straße 20 vorfand. Ich ging zu der damals im Rathaus sitzenden, Gewerberaum vergebenden Frau, deren Name mir entfallen ist, und fragte an, inwieweit ich diese Räume nutzen könne. Zu meiner Überraschung bekam ich eine Etage ohne viele weitere Laufereien für 36 Mark im Monat, und ich richtete mir mein Atelier ein. Kurze Zeit später zog dann Matthias Stein, der aus Halle von der Burg Giebichenstein zurückgekehrt war, eine Etage höher mit in das Haus. Ein, zwei Jahre später, bezog dann auch noch Jürgen Höritzsch einen Raum, in dem er seine Siebdruckwerkstatt unterbrachte.

 

Zu damaligen DDR-Zeiten war es recht schwierig, vor allem für junge Leute, Arbeiten zu zeigen, und der Mangel an Ausstellungsmöglichkeiten wurde allgemein beklagt. In einer künstlerischen Krise hatte ich es satt, stundenlang auf leere Wände zu starren und beschloss, diese Leere in meinem Atelier mit den Arbeiten von anderen zu füllen. Gleichzeitig erschien am Chemnitzer Künstlerhimmel ein neues Autodidaktensternchen namens Jean Schmiedel. Matthias Stein hatte ihn mit mir bekannt gemacht und bald hatten wir beschlossen, wie und wann die erste Ausstellung steigen konnte. Davor stand jedoch noch die lästige Arbeit des Renovierens. Ich nehme an, das war etwa im Frühling 1987. Die Ausstellung war erfolgreich und auch die folgenden wurden gut besucht. Ein Teil der Besucher schien allerdings eher aus dienstlichen Gründen als aus künstlerischem Interesse gekommen zu sein, denn zu dieser Zeit gesellte sich auch ein großer Bauwagen zu dem Haus im Hinterhof. Dieser stand einfach da, doch ringsum war kein einziger Baufacharbeiter anzutreffen. - Wir waren nun sicher, dass unsere Gespräche stets aufmerksame Zuhörer fanden.

 

Ich hatte einige Zeit am Theater gearbeitet und dort war montags frei. Deswegen machten wir die Ausstellungs-Eröffnungen immer an diesem Tag. Das ist auch jetzt noch so, aber eher aus Tradition als aus Notwendigkeit. Die Nächte vor den Eröffnungen sind mir als schlaflos in Erinnerung, weil wir nie wussten, kommt morgen das Stasi-Rollkommando und bittet uns zum Interview oder lassen sie uns noch ein wenig zappeln. Es war eine Zeit, in der die Angst allgegenwärtig war. Das ging soweit, dass man hinter jedem Baum einen stehen sah. Mir ist noch folgende Episode in Erinnerung: Die Haustür war oft abgeschlossen und Besucher mussten rufen, um hereingelassen zu werden. Eines Tages kam ein älterer Mann. Er wollte zu mir, doch Matthias Stein sagte ihm, ich sei nicht da. Als er mir dies später erzählte, kam mir der Mann sehr verdächtig vor, so dass ich, als er wieder vorm Haus stand und nach mir rief, keinen Mucks von mir gab. Ein Gefühl der Bedrohung war entstanden und hatte von uns Besitz ergriffen. Immer, wenn der unbekannte Rufer kam, und das war oft, gingen wir in Deckung. Jürgen Höritzsch meinte einmal, es sei wie im Krieg. - Später stellte sich heraus, der Mann wollte Bilder kaufen.

 

Wen haben wir damals ausgestellt? Gudrun Höritzsch hatte ihre erste Einzelausstellung. Da gibt es sogar noch ein Plakat. Wolfgang Hartzsch zeigte zur Eröffnung einen Film, was anfänglich zu verhindern versucht wurde: Irgend jemand drehte die Sicherung heraus, was die Zerstörung der Lampe des Projektors zur Folge hatte. - Eine Stasi-Operation? - Glücklicherweise machten sich Dagmar Ranft-Schinke und ihr Mann auf und besorgten einen neuen Projektor. Der Film konnte also doch noch gezeigt werden. Leider war dann schon die Hälfte des Publikums gegangen.

 

Meine montäglichen Ängste waren auch, dass das gesamte Stromnetz zusammenfällt, denn wir hingen an einer uralten Freileitung, in die kein Vertrauen zu setzen war. Der Stromausfall kam dann auch, aber glücklicherweise am Tag. Von da an tauchte ein Maler-Elektriker namens Uwe Schwarz auf. Montags gab es auch Zeichenzirkel bei Matthias Stein. Dort dabei war Uli Schönberg. Auch kam des öfteren ein Dichter in das Haus. Er saß am Tisch und schrieb. Und wir, die wir oftmals nur faul in den Sesseln lümmelten, hatten einen Trost: "Wenigstens einer macht was". - Holger Weigelt.

 

Es müssen ungefähr zwölf Ausstellungen in zwei Jahren gewesen sein, darunter Peter Fiebig, Matthias Stein, Jürgen Höritzsch, Florian Merkel, Michael Lange, Hermann Arnold. Allerdings war im Winter wegen der Kälte Pause.

 

Zu den Bewohnern des Hauses gehörten außerdem etwa zehn Katzen, die in alle Ecken pissten und kackten, so dass der sich verbreitende Geruch die Wohnlichkeit erheblich minderte. Dazu kam noch die Löcherigkeit des Daches, die von unseren provisorischen Ausbesserungen nicht bezwungen werden konnte. Und es war nur noch eine Frage der Zeit, wann wir die Eimer im Erdgeschoss des zweistöckigen Hauses aufstellen mussten. Langsam verschwanden alle wieder aus dem Haus. Erst ging Jürgen Höritzsch, dann ich, dann Matthias Stein, dann die Katzen und zuletzt der Bauwagen.

 

Ich zog in die Dresdener Straße 92. Was war zu tun? Wieder Leute ausstellen? Nein. Diesmal hatte ich genug davon, denn ich wollte endlich wieder meine eigenen Bilder machen. Das dauerte so an die zwei Jahre. Doch im Frühjahr 1990 war es dann soweit. Wir gründeten die Künstlergruppe LATERNE. Mitglieder waren: Gudrun Höritzsch, Jürgen Höritzsch, Matthias Stein und meine Wenigkeit. Außerdem eröffneten wir in den vorderen Räumen meines Ateliers den Kunstladen LATERNE.

 

Anfangs dachten wir egoistisch und stellten nur uns selbst aus. Dabei wurden alle Hängeflächen verlost, um keinen zu bevor- bzw. zu benachteilen. Außerdem verkauften wir selbst gefertigte Keramik. Doch es lief recht mäßig. Es kamen immer weniger Leute, und nach einem halben Jahr merkten wir, dass es nicht machbar ist, eine Dauerausstellung noch lebender Künstler zu etablieren. Deswegen keimte wieder der Gedanke, mit wechselnder Ausstellungstätigkeit zu beginnen. Das war Anfang 1991. Die erste Ausstellung war von Renate Linke, einer naiven Malerin aus Berlin.

 

Es gab aber noch mehr Verrückte in Chemnitz, nicht bloß uns. 1988 hatte ich die Ehre, mit drei anderen Künstlern einen Bauzaun bemalen zu dürfen. Matthias Stein half mir dabei. Während der Arbeit tauchte ein Mann im blauen Schlosseranzug auf, lief ständig auf und ab und redete unentwegt auf uns ein. Sein Name: Edgar Walz, kurz Eddi. Diesem Mann begegnete ich später wieder. In unzähligen Abenden und Nächten versuchte er, mich in die Geheimnisse des Schachspiels einzuweihen. Er schrieb auch Gedichte und hatte sie schon zu einigen Eröffnungen vorgetragen. Nun kam ihm die Idee, einen Theaterverein mit Laienspielern zu gründen. Mit einem Stück (Rumpelstilzchen war im Gespräch) wollte er durch die Kindereinrichtungen ziehen und nebenher auch einige ABM-Stellen loseisen. Er hatte gehört, in Plauen läuft so etwas. Aber Chemnitz ist nicht Plauen und in Chemnitz lief es nicht. Aber der Verein war gegründet und nun war seine Sorge, wohin mit dem Verein? Da kam ihm die geniale Idee, den Verein in LATERNE umzubenennen, denn als Künstlergruppe braucht man nichts dringenderes als einen Verein. Das war am 28. Oktober 1991. Natürlich war zu diesem Zeitpunkt schon klar, dass er etwa ein halbes Jahr später den Vorsitz niederlegen würde und er somit raus aus dem Schneider und dem Vorstand war. Doch aus der Künstlergruppe LATERNE war der Chemnitzer Kunstverein LATERNE e.V. geworden.

 

Die Mühen der Vereinsgründung hatte Edgar Walz getragen, doch den ein Jahr andauernden Stress, den der Schriftwechsel mit dem Amtsgericht zwecks Ab- und Anmeldung des Vorstands mit sich brachte, hatte der neue Vorsitzende Holger Weigelt bewältigt.

 

Trotz unserer Behördenscheu, die noch aus den DDR-Zeiten herrührte, begann im selben Jahr auch die Zusammenarbeit mit dem Kulturamt. Unsere Projekte, die bisher alle eigenfinanziert wurden, würden sich auf die Dauer so nicht mehr realisieren lassen. Deshalb entstand die Notwendigkeit zu einer pekuniären Unterstützung, zumindest in anteiliger Weise. Es mussten also die zuständigen Amtspersonen von der Ernsthaftigkeit unserer Arbeit überzeugt werden. Im Laufe der Jahre, so glaube ich, hat sich die Zusammenarbeit verbessert, und ich denke, beide Seiten wissen, was sie von dem anderen erwarten können.

 

Wir hatten immer die Idee, zu den Ausstellungen müsste noch irgendetwas Gedrucktes erscheinen. Der Besucher sollte, wenn er die Ausstellungsräume wieder verlässt, etwas in den Händen halten können, ohne gleich sonst wie tief in die Tasche greifen zu müssen. Zu dieser Zeit absolvierte ich einen Computer-Lehrgang, und eine Prüfungsaufgabe lautete, ein kleines Faltblatt zu erstellen. Was lag also näher, als ein Blatt über die LATERNE-Leute zu machen? Das war der Ausgangspunkt für die seit Januar 1992 regelmäßig erscheinende Kunstzeitung LATERNE.

 

Aber finstere Wolken zogen sich über der LATERNE zusammen, als die Zeit der großen Stasi-Enthüllungen kam. Wir planten gerade neue Ausstellungen und Matthias Stein meinte, wir könnten doch Klaus Rothenburger nehmen. Keiner hatte etwas dagegen. Und es war üblich, dass der Ausstellende jemanden mitbringt, der zur Eröffnung etwas sagt. Es war ein Prinzip von uns, wenn wir einen einmal ausgesucht hatten, ihn dann auch machen zu lassen. Bisher war das auch noch nie missbraucht worden. Für Klaus wollte Georg Brühl sprechen. Doch vierzehn Tage vor der Eröffnung kam heraus, der sei Stasi-Spitzel gewesen. Was tun? - Nichts. Abwarten. Keiner brachte die Kraft auf, zu Georg Brühl hinzugehen und zu sagen: "Komm nicht." Das rächte sich, denn er nutzte die Öffentlichkeit nur, um zu versuchen, bei den Clara-Mosch-Leuten wieder Punkte zu sammeln, indem er sie über alle Maßen lobte. Das gelang, wie wir wissen, nicht. Doch den Schaden hatten wir, weil wir über die Streitereien zwischen Morgner und Brühl uns selbst zerstritten. Das ist nach wie vor zu bedauern. Matthias Stein trat im Sommer aus dem Verein aus, weil, so nehme ich an, er befürchtete, bei weiteren Fehlschlägen der LATERNE ebenfalls Zielscheibe der Kritik zu sein. Jürgen Höritzsch blieb vorerst noch dabei und meinte nur, solche Fehler dürfen wir uns nicht dauernd leisten.

 

Schon ein dreiviertel Jahr später schrieb ich auf die Kritik von Alfons Mucha an der LATERNE eine gepfefferte Gegenkritik, denn es war üblich geworden, an den Ausstellungen herumzumäkeln. Schließlich hatte ich es satt und machte meinem Ärger Luft. Das war der Anlass für den Austritt von Jürgen Höritzsch. Nunmehr war nur noch die Hälfte der Gründungsmitglieder dabei, und es war ziemlich aussichtslos, bei dem ramponierten Ruf neue Leute zu gewinnen. Um so mehr habe ich mich gefreut, dass Nadja Bernhardt und später Uli Schönberg, Fritz Schönfelder und Uwe Schwarz dem Verein beitraten und diesen bereicherten.

 

1993 tauchte dann ein neuer Mann in der LATERNE auf. Ralph Krumbacher erhöhte zwar nicht unbedingt das künstlerische Niveau, aber er brachte zuwege was kein anderer von uns je geschafft hätte. Er verputzte die Außenfassade der Galerie LATERNE.

 

Zur Grafikmesse in Dresden 1993 erschien am Stand ein Mann, der nur so ein bisschen rumzufragen schien. Ich bekam aber raus, dass er auch Maler ist und er fragte mich, ob er einen kritischen Artikel über den Künstlerbund in der Zeitung LATERNE veröffentlichen könne. Damals wusste ich noch nicht, wie tiefgreifend er die LATERNE und vor allem die Zeitung mit seiner manchmal nervenden, aber auch berechtigten Kritik mit beeinflussen würde. Der Mann heißt Raimund Friedrich.

 

Von da an ging es wieder aufwärts mit der LATERNE. Die Zeitung und die Ausstellungen wurden besser. Die jährlich durchgeführten Pleinairs im Wilischthal brachten die einzelnen Mitglieder näher. Dabei konnten wir noch Andreas Lochter und Andreas Stelzer für den Verein gewinnen. Zur Zeit herrscht ein Zustand, wo die Leute sich gegenseitig tolerieren und miteinander umgehen können. Man kann sagen, es läuft.