Fragen an Dirk Teschner

 

1. Red.: Von dir weiß ich eigentlich am wenigsten. Du bist durch die Vermittlung von Peter Fiebig mit bei der Ausstellung im Atelier Schüller dabei gewesen. Wie kam es zu der Verbindung: Teschner, Fiebig, Sommerfeld?

 

Dirk Teschner:

Von 1987-89 gab es eine Künstleredition von jeweils 6 Künstlerinnen und Künstlern aus Karl-Marx-Stadt und Berlin, eine Edition pro Jahr. Bei diesen waren wir drei auch immer vertreten. Fips kannte ich schon länger, wir hatten z.B. schon zusammen (mit Matthias Lindener von der Punkband „Anna Bumsen“) eigene Arbeiten in der

Bonhoeffer Gemeinde ausgestellt. Da spielten Punkbands aus Berlin und Suhl und Claus Löser zeigte Super 8 Filme. Fips und ich haben auch im Vorbereitungskreis der Sommerfeste und Friedensfeste in der Kreuzkirche zusammen gearbeitet.

 

2. Red.: Von euch ist auch noch ein Ausstellungsplakat erhalten. Wer hat das gemacht,

wessen Handschrift prägte die Grafik?

 

Dirk Teschner:

Das Ausstellungsplakat ist in einem schmalen Hochformat, da der Rand

weggeschnitten wurde. Der Rand bestand aus mehreren Einladungskarten. Somit

brauchten wir nur ein Sieb für den Druck der Plakate und Einladungskarten herstellen.

Die Idee war geklaut von Judy, der für seine Ausstellungen in der Eigen+Art das

immer so machte. Ich glaube Fips hatte das Plakat entworfen.

 

3. Red.: Was hast du genau ausgestellt und welche Idee steckt damals hinter deinen Arbeiten?

 

Dirk Teschner:

Ich stellte Monotopien und großformatige Zeichnungen aus und baute mit Matthias Sommerfeld, aus, in den Ausstellungsräumen gefundenen, Pappkartons, eine Installation. Im Nachhinein war die spontan entstandene Installation, die niemand wirklich als solche wahrnahm, die beste Arbeit. Monotopien stellte ich damals viele

her, es waren darauf immer Menschen in Bewegung zu sehen.

 

4. Red.: Von Matthias Sommerfeld haben wir keine Nachricht erhalten, was weißt du noch über seine Arbeiten von damals?

 

Dirk Teschner:

Er war sehr talentiert, hat anfänglich in Berliner Kunstzirkeln viele Techniken ausprobiert. Seine Zeichnungen (Bleistift, Kohle, Tusche) waren am stärksten. Er hat als Schauwerbegestalter gearbeitet. Mit dem Berliner Bert Polten entstanden seit Mitte der 1980er Jahre viele gemeinsame Arbeiten.

 

5. Red.: War euch damals bewusst, dass die Galerie überwacht wurde? Falls ihr Einsicht in Eure Stasi-Akten bekommen habt, sind die Ereignisse dort in der Reuterstr. mit erwähnt worden?

 

Dirk Teschner:

Da ich seit 1981 aktiv in Oppositionsgruppen gearbeitet habe war auch die Staatssicherheit Alltag. Ich wurde ab 1985 verstärkt überwacht (OV Natter), unsere damalige Wohnung in der Ludwigstraße war verwanzt, über uns wurde eine konspirative Wohnung eingerichtet und es fanden konspirative Wohnungsdurchsuchungen statt. Im Herbst 1986 wurde ich mit meiner damaligen Lebensgefährtin Andrea Franke inhaftiert. Ich wurde wegen staatsfeindlicher Hetzte zu 2 Jahren Strafvollzug verurteilt, wegen Protesten der Kirche und aus dem Westen und vor allem wegen SED-interner Differenzen zwischen Berlin und der BV Karl-Marx-Stadt musste das Urteil wenige Zeit später zu 3 Jahre Bewährung ausgesetzt werden. Da ich auch später in Berlin in Oppositions-gruppen arbeitete war die Staatssicherheit Alltag. In meinen Akten habe ich nichts zu der Ausstellung in der Reuterstraße gefunden, „meine“ IMs aus K-M-St waren da ja nicht mehr für mich zuständig und für die Berliner BV war eine Ausstellung in einem Atelier nicht interessant genug.

 

6. Red.: Zur Eröffnung spielte die Band „Anna B“, wer war „Anna B“ welche Musik haben die gemacht und weißt du was über die Geschichte der Band?

 

Dirk Teschner:

Anna B heißt ja exakt Anna Bumsen. Es war die einzige Punkband in K-M-St zur damaligen Zeit. Die Mitglieder waren Matthias Lindner (dr), Alexander Seifert (g, voc) und Thommi Nestler (g,voc), später als Verstärkung mit Tino Blechschmidt (b). Die Band existierte von 1985 bis 1989. Matthias, Alexander und Thommi habe ich 1986 kennengelernt, als ich mit Inka Brückner und Stefan Kretzschmar in der Kreuzkirche die „Nachttopf“ –

Veranstaltungen organisierte und mich regelmäßig Donnerstags im „Punkklub“ in der Kreuzkirche aufhielt.

 

7. Red.: Du bist jetzt sehr aktiv bei der Organisation von Kunstprojekten in Erfurt und Berlin. Kannst du was zu deiner jetzigen Arbeit sagen? Vielleicht besteht da auch mal die Möglichkeit einer weiteren Zusammenarbeit zwischen der Galerie Laterne und dir?

 

Dirk Teschner:

Seit 2007 organisiere ich mit Monique Förster zusammen die Ausstellungen im Kunsthaus Erfurt. Wir zeigen vor allem junge Künstlerinnen und Künstler aus Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt/M., Leipzig, Weimar und Erfurt. Daneben ist mir wichtig sich kulturpolitisch auf die Entwicklungen in den Städten einzumischen. Wir

haben dass in Erfurt ganz gut hin bekommen. Durch die Gründung des Klub 500, um zeitgenössische Kunst und Kultur zu fördern, Druck auf die politischen Entscheidungsträger auszuüben und im Gespräch mit den Verantwortlichen zu bleiben. Gleichzeitig aber eigene Projekte, die selten finanziell unterstützt werden, an

temporären Orten durchzuführen. In diesem Jahr haben wir im alten Innenministerium Ausstellungen und Ausstellungsreihen durchgeführt: „Kunstlawine“, „Below the Line“, „Armella Show“. Die gibt Schnittstellen zwischen junger Kunst, urbanen Lebens, Musik und Party. Auch wichtig ist die Zusammenarbeit und den Austausch zwischen jungen und etablierten Galerien und Projekträumender verschiedenen Städte aufzubauen und zu intensivieren. Wir haben in diesem Jahr mit der ersten „Armella Show“ 15 Galerien aus 9 Städten eingeladen, und zeigten eine Woche lang die von den Galerien präsentierten Künstlerinnen und Künstler. Nächstes Jahr soll es wieder eine „Armella Show“ mit über 15 Galerien geben. Kunst, Kultur, Stadtentwicklung, alternative Lebensformen und politische Entwicklungen können nicht von einander getrennt werden, es ist wichtig jenseits von Parteien Formen zu finden, wo Künstler, Professoren, Studenten, Architekten, Hausbesetzer, Musiker, Arbeitslose ihre gemeinsamen Interessen diskutieren und formulieren – wie wollen wir leben, in was für einer Stadt, wie können wir das erreichen.

 

8. Red.: Was ist am nachhaltigsten in deiner Erinnerung geblieben – in Bezug zur Ausstellung, zur Vernissage und zur Galerie?

 

Dirk Teschner:

Es gab vorher ja in unregelmäßigen Abständen Musik und Kunst im Atelier von Klaus Hähner-Springmühl, dass waren Ein-Abend-Events. Es blieb der Wunsch nach einem autonomen Ausstellungsraum, obwohl wir in der Kreuzkirche und Hans-Jochen Vogel vereinzelt auch in der ESG, versuchten, den jungen, unangepassten Künstlerinnen und Künstlern der Stadt ein Podium zu bieten. Wir hatten mit der Galerie Oben auch einen Ausstellungsraum in der Stadt, der ein gutes Programm machte. Aber, wie es in der DDR üblich war eben nur mit Mitgliedern oder Kandidaten des VBKs. Seit 1986 besuchte in öfters die Galerie Eigen+Art und hoffte, dass ähnliche Ausstellungsräume in anderen Städten entstehen. Als es die Galerie, die bei uns Atelier Schüller hieß, gab, war es ein weiteres Zeichen dafür, dass auch in K-M-St Neues entsteht. Als Fips den Vorschlag einer Ausstellung machte war dass schon schön. Bei der Ausstellungseröffnung waren Künstler der Stadt da, die auch über die ausgestellten Arbeiten reden wollten. Mehr als heute wahrscheinlich üblich. Andreas Stelzer war von

der Arbeiten von Matthias Sommerfeld begeistert und Carsten Nicolai sprach mich auf meine Arbeiten an. Die damalige Freundin von Judy und heutige erfolgreiche Schauspielerin, Susanna Simon reist zur Ausstellungs-eröffnung aus Leipzig an und gratulierte, eine höfliche Geste.

 

9. Red.: Hast du in anderen Unterlagen oder auch in mündlichen Aussagen später, Hinweise auf eure Ausstellung und auf diese Galerie gefunden?

 

Dirk Teschner:

In Gesprächen mit Leuten, die einen K-M-St – Bezug haben, kam auch immer mal wieder die Sprache auf die Ausstellungen in der Galerie

 

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