1952................

1976-1979.......

1978................

 

seit 1985.........

1988................

1991................

seit 1983.........

Wolfgang Hartzsch geboren in Chemnitz 

Studium Malerei und Grafik an der Hochschule Dresden.

Erweiterung künstlerischer Möglichkeiten durch Fotografie und frei improvisierte Musik; 

zahlreiche Aktionen und Performances (u.a. in Zusammenarbeit mit Klaus Hähner-Springmühl).

Experimentelle Filme und Foto-Collagen.

Künstlerbücher.

Plastische Objekte mit keramische Elementen, Pergament, Fotografie.

zahlreiche Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, Kataloge und Editionen.

Vertreten auf internationalen Kunstmessen durch die Galerie Barthel + Tetzner Köln, Chemnitz, Berlin.

Werke in zahlreichen privaten und öffentlichen 


Fragen an Erich Wolfgang Hartzsch

 

1. Red.: Du hast lange Jahre mit Klaus Hähner-Springmühl zusammengearbeitet. Die Ausstellung im Atelier Schüller war allerdings eine Einzelausstellung von dir. Zur Eröffnung hast du einen Film gezeigt, in dem nach Stasiberichten die offizielle Kunstzeitschrift der DDR, die Zeitschrift „Bildende Kunst“, zerrissen wurde. Sicher hast du dabei auch Klaus Hähner Springmühl in Aktion gefilmt. Was weißt du heute noch über diesen Film.

 

Wolfgang Hartzsch:

zu 1. Ich kann mich leider nicht mehr erinnern welcher Film zu Ausstellung gelaufen ist. Sollte dir der Titel einfallen, es wäre schön.

 

2. Red.: Ich kann mich erinnern, dass kurz vor der Vorführung des Films Massen von Leuten da waren und ein mir unbekannter Besucher kurz die Sicherung, die offen in der ehemaligen Küche an der Wand befestigt war, rausgedreht hatte und dadurch die Projektorlampe zerstört worden war. Dagmar Ranft-Schinke hatte sich sofort bereiterklärt, ihren eigenen privaten Projektor zu holen und der Film konnte doch noch gezeigt werden mit etwa einer Stunde Verspätung. Allerdings waren dann nicht mehr so viele Leute da. In meiner Naivität sagte ich dann zu dem Menschen, der die Sicherung rausgedreht hatte, „Aber bitte nicht noch einmal.“ Erst später kam ich auf die Idee, dass das eine Stasi-Aktion war. Allerdings habe ich davon nichts in den Akten gefunden. Genauso wie alles, was sie gegen uns unternommen hatten. Hast du selbst Einsicht in deine Akten genommen und hast du was über diese Ausstellung gefunden?

 

Wolfgang Hartzsch:

zu 2. Der Film in der Laterne war der Auslöser um ins Blickfeld der Stasi zu kommen. Die folgende Ausstellung im „Pablo Neruda Club“ war Anlass, den Film „Schmerz“, der gezeigt werden sollte, intern zwischen Kultur-funktionären und Mitarbeitern der Stasi zu analysieren und die Frage war, kann der Film gezeigt werden. Der Film wurde gezeigt.

 

3. Red.: Ich kann mich noch daran erinnern, dass der Film in einem sehr hohen Tempo gedreht war, eine schnelle Abfolge von verschiedensten Bildern. Eine Art Vorläufer zu den heutigen Musikvideos und das alles in Schwarzweiß und dazu das Klappern des Vorführgerätes brachte eine eigenartige Atmosphäre. Über viele Bilder, die gezeigt wurden, war man sich im Unklaren und musste im Nachhinein drüber nachdenken, sich Verständnis

verschaffen. Mit welcher Idee hast du die Bilder und Szenen aneinander komponiert?

 

Wolfgang Hartzsch:

zu 3. Wie gesagt, ich kann mich nicht mehr an den Titel erinnern. Das große Thema fast aller 20 Filme bewegte sich zwischen 2 Räumen Atelier <->Natur. Der kleine individuelle Raum in Verbindung oder Kontrast zum großen Landschaftsraum und darüber hinaus zum universellen Raumgedanken. Meine Filme (auch Arbeiten auf Leinen und Papier) sehe ich mehr als (Metapher) das gedankliche Bewegen und Umsetzen von erkenn- und erfahrbaren Zusammenhängen des Seins, eine kleine Berührung zum Übersinnlichen (tolle Dramatik).

 

4. Red.: Du hast dich in vielen künstlerischen Genren bewegt: Musik, Film, Malerei,Aktionskunst. Was hast du damals in der Ausstellung an Bildern gezeigt und sind diese Arbeiten bei einer deiner vielen gemeinsamen Aktionen entstanden oder eher in deinem Atelier und mit welcher Thematik haben sie sich beschäftigt?

 

Wolfgang Hartzsch:

zu 4. Die Arbeiten der damaligen Ausstellung waren Zeichnungen und bearbeitete Fotografien.

 

5. Red.: Haben sich die Arbeiten, die während einer Sezession entstanden, sind von denen unterschieden, die im Atelier erarbeitet worden sind?

 

Wolfgang Hartzsch:

zu. 5 Das Loslösen von alten bzw. bekannten Bildvorstellungen, das Anderssein in der Kunst (auch im Alltag), allen bestehenden Kunstvorstellungen des realsozialistischen Kultur- und Weltbildes nicht zu entsprechen, sich dagegen stellen. Dabei war das Experiment die Erfahrungen in Leben und Kunst wie ein Laboratorium. Zu

begreifen, alle Sinne und materielle Möglichkeiten zu verschmelzen. Fotografie, Gedichts-Fragmente, Malerei (in Aktion – gemeinsam in der Gruppe und öffentlich) Musik als ein ganz aktives Medium um sich mitzuteilen, Film – das bewegte Bild. Alles war Basis zur Diskussion.

 

6. Red.: Soweit ich mich erinnern kann, spielten die Fotoübermalung, die Retusche, die Fotocollage im weitesten Sinne eine große Rolle. Wie war die damalige Auffassung in Beziehung zur Fotografie? Wie wurde gearbeitet?

 

Wolfgang Hartzsch:

Zu 6. Die Fotografie hat eine große Vielfalt der Arbeitsmöglichkeiten

- Foto als Realität in Verbindung intensiver gestischer Überarbeitung mit Farbe und Tusche

- Mehrfachbelichtung = Schichtung von bildhafter Realität

- Fotografie als Montage

- Bilder zerreißen und zur neuen Bildidee fügen

- Negative Filme 6x6 cm o. 13x18 als Basis zur Bildveränderung (mit Radiernadel, Schaber oder Säuren)

- Durch die Technik des Laminierens Fotografien z. B. mit organischem Material zu kombinieren.

 

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