bis 1982.......

1982.............

 

1984.............

 

seit 1984......

1986.............

1988.............

seit 2000......

ab 2001........

seit 2002......

Jean Schmiedel ist in Karl-Marx-Stadt geboren.

Maurer.

Nach einem schweren Verkehrsunfall und einem Jahr Krankenhausaufenthalt entstehen erste künstlerische Arbeiten.

Kontakte zu anderen Künstlern im Chemnitzer Künstlercafé „Martha“. Freundschaft mit Klaus Hähner-Springmühl und Matthias Stein.

als freischaffender Künstler (Malerei und Plastik) in Chemnitz tätig.

Erste Arbeiten mit verschiedenen Materialien

Intensive Arbeiten im Blei-Ausschmelzverfahren

intensive Beschäftigung mit Plastik. Erste Bronzeplastiken entstehen 

Große Anzahl Arbeiten in Ton, Bemalte Keramiken und Plastiken.

Mitglied im VBK (Künstlerverband)

 

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Fragen an Jean Schmiedel

 

1. Red.: Ich kann mich noch deutlich erinnern, mit welchem Elan du an das Streichen der Wände gegangen bist, um die Räume für die erste Ausstellung im Atelier Schüller, deine – ich glaube – erste Personalausstellung überhaupt vorzu-bereiten. Es war sonntags und eine frühsommerliche Luft wehte durch die geöffneten Fenster in die feuchten Räume hinein. Wir waren voller Vorfreude dabei. Hast du jemals in diesen Augenblicken daran gedacht, dass wir überwacht werden und unsere Aussagen wortwörtlich irgendwo niedergekritzelt werden?

 

Jean Schmiedel:

Zu 1. Zur Frage, ob ich bedacht habe, dass unsere Galeriegründung überwacht wurde, dies dachte ich schon, aber ich habe dies im täglichen Tun verdrängt. Dass unsere Aussagen wortwörtlich aufgeschrieben werden, hat sich wohl damals keiner vorstellen können. Im Vorfeld der Ausstellung z. Z. der Martha, bin ich mehrmals von Stasi-Offizieren verhört worden. Man wollte mich selber als Informant in der Chemnitzer Kunstszene einschleusen. Was ich für mich natürlich rigoros ablehnte. Ich bin mit 15-16 schon von der Stasi verhaftet worden und vor einen Staatsanwalt gestellt. (wegen Singens staatsfeindlicher Lieder), galt seitdem als vorbestraft. Seit der Zeit wurden meine Lehrer und Lehrausbilder regelmäßig über mich ausgefragt! Dies wusste ich! Es war mir egal.

 

2. Red.: Hättest du irgendwas anders gemacht, wenn du gewusst hättest, dass für diese Aktionen am Tag X Internierungslager droht?

 

Jean Schmiedel:

Zu 2. Das man uns in ein Internierungslager stecken wollte, schockt einen jetzt schon. Da ich aber schon mehrfach verhaftet gewesen bin, hatte ich nicht so sehr große Angst vor diesen Stasi Idioten.

 

3. Red.: Eigentlich hast du über die Jahre deine Art zu arbeiten kaum geändert. Die schwarzbraunen

Lasuren um eine fiktive Figur. Damals noch vorsichtig angedeutet, heute wohl vollständig ausgearbeitet. Schade, dass von den damaligen Arbeiten so gut wie nichts übriggeblieben ist. Eine ist noch bei mir, die du mir damals anlässlich der Ausstellung geschenkt hattest. Die können wir auch in der Ausstellung zeigen. Auf Nachfrage von uns sagtest du, die Arbeiten aus dieser Zeit sind alle weg - meist verkauft! Hast du jemals Schwierigkeiten gehabt in DDR-Zeiten, weil du illegal Bilder verkauft hast?

 

Jean Schmiedel:

Zu 3. Meine Arbeit hat sich in den letzten Jahren sehr stark geändert. In den Vordergrund ist die figürliche Ölmalerei getreten. Anbei lege ich ein paar Fotos. Ähnliche Bilder aus der Zeit habe ich noch 2x Große. Da ich durch einen Unfall eine kleine Rente bekomme, konnte ich die meisten Bilder an Freunde billig abgeben. Da hatte ich keine Schwierigkeiten. Hatte aber nie Aufträge, Ankäufe oder große Verkäufe.

 

4. Red.: Es ist leider keine Einladung enthalten und auch kein Plakat. Laut Stasi-Akte sind wohl hundert Einladungen verteilt worden. Mir ist nur klar, dass es mir ein Gräuel war, ein paar Worte zur Vernissage vor den Anwesenden zu sagen. Du hast dann eine Einführung in die Arbeiten gegeben. Ob dann noch eine Musik gespielt hat, oder etwas anderes los war, kann ich nicht mehr sagen. Was hast du für Erinnerungen an diese erste Ausstellung?

 

Jan Schmiedel:

Zu 4. Ich weiß, dass ich viele Einladungen in Kneipen und an Freunde verteilt habe. Nach der Ausstellungs-eröffnung lief eine afrikanische Trommelmusik als Endlosschleife. Die hat mit Stein, Matthias angefertigt. Auf Grund meiner Bilder hatte mit der Hartzsch, Wolfgang angeboten, den Mentor für eine Verbandsaufnahme zu machen. Bei der ich dann aber abgelehnt wurde.

 

5. Red.: Das erste Mal die Ausstellung öffentlich zu machen ist wohl der kniffligste Augenblick gewesen. Hier musste man schon erwarten, dass es Besuch von der Behörde gegeben hätte. Gab es da bei dir Bedenken?

 

Jean Schmiedel:

Zu 5. Ob diese erste Ausstellung von Stasi-Leuten überwacht wurde, darüber habe ich mir nicht so den Kopf zerbrochen. Für mich war wichtiger, was Freunde und Kollegen zu meinen Werken sagten und die Resonanz war sehr positiv.

 

6. Red.: Du hast sicher unfreiwillig mit zum Titel der Stasi-Maßnahme Operativer Vorgang „Boykott“ und zum Namen unseres Projektes beigetragen. Ein Stasi-Informant zitiert dich bei der Eröffnung wie folgt: Du hättest vor, die X. Kunstaustellung der DDR zu boykottieren. Wie bist du denn darauf gekommen, denn du warst damals nicht im VBK und hättest keine Chance gehabt nach Dresden als Aussteller zu gelangen. Meintest du, du würdest der X. Kunstausstellung deinen Besuch nicht erweisen?

 

Jean Schmiedel:

Zu 6. In welchem Zusammenhang ich das damals sagte, weiß ich heute nicht mehr so genau (mit ein bisschen Bier hatte ich auch immer ein lockeres Mundwerk). Ich habe diese X. Kunst-ausstellung nicht besucht und der größte Teil der offiziellen Kunst hat mich nicht die Bohne interessiert. Weder Landschafts- noch Städtebilder noch der ganze sozialistische Müll. Was ich gut fand waren die Arbeiten von Springmühl, Kozik, Hartzsch, Hampel, Scheffler usw. Die Haltung von Springmühl in Leben und Werk hat mich stark angezogen und beeinflusst Abschließend würde ich noch sagen, dass ich damals jung war, schon immer rebellisch anders sein wollte und einen gesunden Gerechtigkeitssinn hatte.

 

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