Peter Fiebig ist Jahrgang 1955.

Sein Lebensmittelpunkt ist die Stadt Chemnitz. Hier ist er geboren als sie noch: „ Karl-Marx-Stadt“ hieß.

Nach vielen Veränderungen in seinem Leben und letztendlich auch in der Gesellschaft, ist er überzeugt davon, dass wir durch Kunst und Kreativität aktiv unsere Existenz mitgestalten können.

Zudem bedarf es in dem Prozess der aktiven, künstlerischen Auseinandersetzung ein soziales Gegenüber dem er in seinen Gedanken und in seinem Verhalten mit einbezieht.

Das nennt er die soziale Dimension in der Kunst.

 


Anfang mit Hindernissen:

Ich bin 10 Jahre nach Kriegsende in Karl-Marx-Stadt geboren. Als 6.Kind meiner Familie, reichten die Stühle am Mittagstisch nicht. So saß ich zwischen meinen Brüdern auf einem Kuchenbrett.

 

Die „wunderbaren“ Jahre:

Die 60 iger Jahre bezeichnete meine Mutter als die wirtschaftlich besten Jahre nach dem Krieg. Meine Prärie war der Wäscheplatz zwischen unseren Häusern Ich war immer der Friedenshäuptling. Nach dem frühen Tod meines Vater begann meine Suche nach… Annerkennung, Freunden, Wissen, eigener Meinung, Religion und Glaube. Irgendwie hatte das Alles für mich etwas mit Jimmy Hendrix zu tun, der leider auch viel zu früh gestorben ist.

 

Mein Beitrag zum Proletariat:

War die Lehre zum Maschinenanlagenmonteur (im Volksmund: „Kesselbumser“).Das tollste war die Akustik in den leeren Behältern, da spielte ich in der Mittagspause immer Mundharmonika. Meine interessanteste Berufsbe-zeichnung: Ende der Siebziger Jahre arbeitete ich im Malsaal des Städtischen Theaters als:“ Farbreiber“

 

Mein erster großer Brand:

1976 brannte meine Arbeitsstelle, das Karl-Marx-Städter Schauspielhaus ab. Ich musste nach dem Brand einige Nächte in der Pförtnerloge sitzen. Das war surreal. Erste Begegnung mit Kunst und Künstler: Mein Musiklehrer hielt uns in der neunten Klasse einen Vortrag über Expressionismus in der Musik und Literatur. Bei den Texten von Gottfried Benn habe ich mich gegruselt. In den Südteil der Stadt wo ich wohnte, traf ich auf Freunde wie Wolfram Adalbert Scheffler(Chef), Thomas Flohrschütz (Tommy) und in der Lehre lernte ich Till Kretschmar und Bernd Weise(Wiese) kennen. Bei einem Besuch in der Wohnung von G. Brühl( er selbst war auf Reisen) mit Wolfram, „Hirtel“, „Stöckl“ u.a hatte ich ein „Erweckungserlebnis“ in Sachen Kunst. Etwa in der Zeit fallen: erste Gedichte , Texte und farbige Miniaturen.

 

Wichtige Entscheidungen:

1981 trat ich mein Wehrdienst ohne Waffe an. Diese Entscheidung war seitdem der „Makel“ in meiner Berufs-biographie. Wörtlich stand da: Fiebig hat eine humanistische aber keine materielle Weltanschauung. Etwa um diese Zeit begann ich als Krankenpfleger in der Psychiatrie der Stadt. Nach dem Bausoldatendienst erste Ausstellung mit Objekten und Bildern im „Fuchsbau“.

 

Kunst oder Soziales ?

Durch meine Arbeit in der Klinik hatte ich immer mit Menschen zu tun und meine Vorgesetzten räumten mir die Möglichkeit ein, mit Patienten künstlerisch zu arbeiten. Von meinen Bildern konnte ich nicht leben, was mich aber nicht davon abhielt in Phasen intensiv zu malen und bei Gemeinschaftsausstellungen mich zu beteiligen. Eine solche Ausstellung war 1988 im Atelierhaus von Andreas Schüller und Matthias Stein in der Brauhausstraße (mit Dirk Teschner und Mathias Sommerfeld). 1989 zog ich mit meiner Familie auf dem Kaßberg und traf in der Pauli-Kreuz-Kirche u.a. auf Hans-Jochen Vogel der für mich so was wie ein „Vaterfreund“ war. Für Veranstaltungen im Rahmen der offenen Kirchenarbeit entwarf und druckte ich verschiedene Plakate. Für den ersten großen öffentlichen Gottesdienst in der Johanniskirche im November 89, entwarf ich das Plakat und erlebte eine äußerst intensive Zeit von gesellschaftlicher Veränderung.

 

Verlust ohne Magie - die dunklen Jahre:

1994 starb meine Frau, 39 –jährig. Ich hatte nun allein unsere drei Kinder, einen Studienplatz zur sozialen Arbeit und einen Sitz im Rathaus. Freunde nahmen mich regelmäßig zum (:therapeutischen) Klettern in die sächsische Schweiz und ins Tal der schwarzen Pockau mit. 1995 dann meine erste Personalausstellung in Döbeln, mit vorwiegend dunklen Monotypien.

 

Kunst und Soziales!

Ab 2000 bemühte ich mich um die Wiederaufnahme meines Studiums und als ich 2002 mein Thema meiner Diplomarbeit einreichen musste, entschied ich mich für das, was ich meiner Meinung nach schon immer anstrebte: (Kunst und.. ) Kreativität in der sozialen Arbeit.

 

Mit diesem Zeitpunkt rückte ich meiner Ansicht näher:“ Es gibt kein (gesellschaftliches) Leben ohne Kunst, aber Kunst ohne sozialem Bezug ist, wenn auch bisweilen originell, letztendlich Selbstbefriedigung.“

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