07.08.2017

laterne -pleinair in rübenau bei sieglinde und axel wunsch. wolkenloser himmel. fahre nach einem turbulenten montagvormittag ins idyll. beide (s. und a.) liegen schlafend in der scheune, rappeln sich, durch meine schritte geweckt, auf. gleich nach meiner ankunft gehts ans kaffeekochen und kaffeetafeldecken. alle pleinairisten sind ausgeflogen, spazieren, einkaufen, etc… einige kommen erst morgen, einige waren nur übers wochenende da, kommen vielleicht noch mal am nächsten. es ist, wie immer, erntezeit, einiges steht noch auf dem halm, einiges ist bereits abgeerntet, stoppelfeld. die landschaft, die mich erfreut, aber nicht wirklich sehr interessiert, scheinbar unverändert. schön gelb-grün, beige-orange, die wälder dunkel am horizont. ein kleines lüftchen weht. ich geh eine große runde spazieren. laufen schadet nie. lenks reisen ab. roland buschmann und werner franz sind wandern und zeichnen, kommen am spätnachmittag zurück. katharina und andreas schüller, wunschens und holger weigelt ansonsten, z.zt., die stammbesetzung. beim wandern: ich würde gern glauben, dass die (für mich) wichtigen dinge einfach sind, die komplizierten kompliziert. vielleicht ist das nur ein wunschdenken –jeder hofft auf einfache lösungen (daher auch der zulauf bei den populisten). die landschaft, die ich durchquere, hätte ich mir nicht schöner ausdenken können –eine idylle! die hier immer wohnen, sehen dasselbe sicher anders. an den gehöften sind satelittenschüsseln angeschraubt, vielleicht sehen sie gerade schwachsinnige rtl-nachmittagsshows, mit noch schwachsinnigeren models. jedenfalls ist nirgends jemand zu sehen. ums kurz zu machen: die landschaft „erregt“ mich dennoch kaum.

es gibt zu wenig bezüge zwischen „äußerem und innerem milieu“, landschaft und eigener befindlichkeit -dazu müsste es vielleicht wenigstens regnen. so durchstreife ich die sonnigen erzgebirgischen kammlandschaften, wie ein verirrter fremdkörper, was der landschaft aber egal ist, ihr nicht schadet. die sonne tut auf jeden fall gut und auch die monotonie des gehens. wie blöd ist man: ich musste drei mal im sommer nach rübenau kommen, um jetzt festzustellen, dass es sich -trotz geringer besiedlung- überhaupt um keine idyllische, natürliche landschaft handelt, sondern um -bis auf wenige kleine baumgrüppchen zwischen den feldern- um maximal durchkultivierte nutzflächen. getreide, futterklee, etc… ich habe schon probleme ein gebüsch zum pinkeln zu finden. halleluja! und das merke ich nach drei jahren längerer aufenthalte in rübenau!

 

zwischen 17-18 uhr gespräche vor der scheune. sehe mir skizzen und zeichnungen von werner und roland an und fasse später den entschluss, mir vorzunehmen, die tage in rübenau zu verbringen, ohne eine einzige skizze, ein aquarell, eine zeichnung anzufertigen. ob mir das gelingt? ist das sinnvoll, eine projektidee? verweigerung lehne ich sonst ab, als lebensmotto, aber was soll ich mit häuseln in tälern vor gebirgszügen? was hat das mit mir zu tun? „entfremdet“ ziehe ich meine bahnen, die sonne scheint, das ist doch schon mal was und 19 uhr gibts perl-, nein, pellkartoffeln mit quark, also wir leben hier nicht schlecht. basta! Werner und roland wollen heut abend noch abfahren. roland meint, wenn er bis zu den tagesthemen zu hause ist, ist das o.k… ich frage, wann das sei: 21.45 uhr? und erwidere, dass ich seit 30 jahren keine nachricht gehört hätte, die mich betraf/in irgendeiner weise erstaunte und muss mir im nachhinein rechtgeben. die letzte nachricht, die diesen titel verdiente, war wohl die grenzöffnung 1998. ja, der einsturz der twintowers (2001?) war noch mal ein einschnitt, aber ansonsten erleben wir tagtäglich das kaspertheater, das seit 2-3000 jahren läuft. nichts neues unter der sonne… man kann schon froh sein, ich kann das gar nicht oft genug betonen, wenn diese scheint. ja, es ist immer noch sehr schön grün um mich herum. zurückgekehrt zur scheune, mach ich mir ein „freiberger“ auf und kritzel noch paar zeilen auf das blatt hier, damits so aussieht, als sei ich beschäftigt -was ich ja auch bin: mit sonnen, rauchen, biertrinken –drei sachen gleichzeitig! es ist zumindest schon mal (akustisch) still, bis auf paar mopeds ab und an und von ferne paar autos. gleich wird’s sich hier beleben, das ist keine frage. essenzeiten sind immer feste punkte, auch bei künstlersymposien. es ist alo die stille vor dem sturm oder zumindest vor dem leicht windigen getöse. bis dahin versuche ich ein halbwegs ernstes gesicht zu machen und mich mit einem hund (dem von holger weigelt) anzufreunden. ich bin hier nicht zum spaß da, aber jetzt fällt mir nichts mehr ein. ich könnte noch „fisches nachtgesang“ zitieren oder über frühkindliche traumatatas (gut, das war jetzt bissel zu lang) berichten, aber will das jemand lesen? wer will überhaupt noch irgendwas wissen? herr, gib, dass die kartoffeln bald „durch“ sind und die anderen teilnehmer aufhören, die hausgiebel, die aus irgendwelchen feldern heurausragen, abzuzeichnen. kürie eeeleison: herr erbarme dich!

08.08.2017

 

die immer gleichen fragen: welches datum ist heut und:

wer bin ich und wenn ja, wie viele…

 

ab und an denk ich an eva, nein, nicht die braun, die strittmatter. dann fallen mir immer so zeilen ein, wie „ich mach ein lied aus stille“, das mir wie ein minnesang aus ganz ganz frühen zeiten vorkommt, obwohl ich ihre texte, fast parallel zu ihrer entstehung, in meiner jungend (schneuf!) las.

 

ich mach kein lied aus stille

ich mach ein lied aus wind

dann nehme ich die pille

und kriege nie ein kind

was soll das nur bedeuten

dass ich so traurig bin

die glockenblumen läuten

nichts gibt dem einen sinn

hat das denn einen sinn?

der wind wird immer stärker

mein haar ist längst verweht

es macht mir keinen ärger

mehr, weil das auch nicht mehr geht

die sonne funkt dazwischen

es wird ihr wohl zu blöd

am besten wir gehn fischen

mir wirds hier auch zu öd

ich sitz nicht zwischen stühlen

ich sitz auf einer bank

träum von nem bier nem kühlen

mich macht das warten krank

drum, auf, lass uns fortgehen

sonst gehn wir hier noch ein

lass uns was schönes säen

in unsrem ehrenhain

und schenk mir noch mal ein

 

bin ich auf motivsuche? vermutlich nicht.

suche ich ruhe? weiß nicht. will ich einfach „dabei“-sein?

möglich. auf jeden fall brauche ich kein weiteres dutzend skizzen, aquarelle

von rübenau. schade eigentlich, aber nicht (oder nur schwer) zu ändern.

der kuli kleckst nicht, das ist schon mal schön. und warm ist es -trotzt wind, wie an der see- auch. so was sollte man, mal klappe haltend, einfach genießen…

 

 

08.08.2017

 

bäume am kammweg

auch einige junge schaffen es

dem wind zu trotzen, einige sogar

gerade zu wachsen

(ich finde das pädagogisch nicht wertvoll

auch nicht moralisch oder ideologisch

ausschlachtbar, es ist aber so…)

 

bäume am kammweg (II)

einige wenige alte hat man stehen lassen

um besser schlafen zu können

(um unser grünes herz, unsre naturverbundenheit

zu dokumentieren) –feige blätter

all over the world…

 

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zerschlagene flaschen am kammweg

deuten darauf hin, dass die idylle trügt

(vermutlich ihre hauptcharakteristik)

der mensch lebt nicht in eintracht

mit seiner eigenen natur

 

 

spaziergang nach nacetin zur kneipe/restaurant „inka“. ich werd mit den worten: „kein essen, nur trinken“ empfangen, bestelle ein bier und bekomme die antwort: „aber nur aus flasche“. das ist nun nicht mehr feierlich, aber habe ich eine wahl? sitze im garten in der sonne, das bier ist wenigstens kühlschrankkalt. rückweg, ein bier vor der scheune und selbstbediente mittagsbrote. sieglinde und axel werkeln oben in der scheune und im garten, katharina und andreas kommen aus marienberg zurück. gehe zur kirche in kalek, war da in den letzten jahren nie. ein friedhof, wie überall in nordböhmen -viele deutsche gräber aus den 30/40iger jahren, einige ältere. erstaunlicher weise hat sie, trotz vertreibung niemand „geschliffen“. fotografiere einiges, mindestens 5-7 grabstellen für seiferts sind darunter. also lag ich mit meiner vermutung aus böhmen zu stammen doch nicht ganz falsch. rückzu der steile weg bergan, der wind ist immer noch heftig. ich überleg, ob ich bereits morgen abreise, abreisen kann. es gibt zu hause genug zu tun. die frage ist, mach ich das, was es zu tun gibt -oder ist es besser, hier in der sonne herumzuwandern. 15.30 uhr kaffeetrinken mit lustigen geschichten über stammbäume. versuche am ort zu bleiben, beziehe die bank an der feuerstelle -na? richtig: in der sonne…

axel schreibt den namen seines im letzten jahr, ausgerechnet am 1. oder 2. tag des pleinairs, gestorbenen hundes „max“ auf den grabstein -ein stück betonplatte. vermutlich hatte die witterung eines jahres den schriftzug abgewaschen. „das hat mich damals sehr mitgenommen“ sagt er. ja, ich erinnere mich an die gedrückte stimmung der folgetage, zumal es ohne ende regnete. ein rosenstrauch steht und blüht auf dem grab unter einem holunderstrauch, flankiert von einem noch jungen vogelbeerbaum. die zwei älteren leutchen in permanenter freundlichkeit zu-/gegen- einander, es ist rührend. nach dem kaffee sind alle wieder „verschwunden“, alle in ihren „gemächern“, an ihren arbeitsplätzen (oder im bett?). ich versuche noch eine weile der versuchung, wieder loszuwandern, zu widerstehen, weiß aber, dass dies nicht lange gelingen wird.es ist noch zu viel zeit bis zum gemeinsamen abendbrot -heute in kleiner besetzung. lesen könnte ich natürlich. habe gestern abend/nacht den roman „der lärm der zeit“ über dimitri schostakowitsch, den ich zu weihnachten bekommen habe, angefangen zu lesen. bis jetzt mit viel vergnügen, vermutlich, weil er einfach gut geschrieben ist –was sich so einfach sagt/schreibt. außerordentliche fähigkeiten (wenn nicht sogar genialität) bedarf es da schon. aber wem sage ich das.

(rhetorisch schwachsinnige floskel, auch bissel größenwahnsinng, aber macht ja nix…) „ich schreibe“ sagt bichsel „weil ich keine lust hab, fußball zu spielen“. ich schreibe, sag ich, weil ich keine lust hab, zu zeichnen (vorallem nicht vor der natur).

na, egal. sitze mit enrico, nachbar von wunschens, in der scheune beim bier, wir quatschen. vor allem über seine gescheiterten beziehungen. er ist jahrgang 1972, da kann ich als älterer natürlich viel dummes raten, letztendlich aber nix machen, nur zuhören. er kommt später zum abendbrot wieder. gehe noch mal in die sonne

-verdammt schön und warm. holger weigelt kocht, wie immer und der rest „schafft kunst“. ich trinke rotwein -in der sonne, wie immer. eigentlich müsste ich den aufenthalt abbrechen. der morgige tag wird genau so verlaufen -braucht man das?

mein einziger stolz: ich habe noch keine einzige(!) skizze, zeichnung gemacht. auch nicht eine klitzekleine, ganz heimlich. das ist doch schon mal ein anfang -oder? das zeugt von willenskraft und durchhaltevermögen. ich sitze zwischen der feuerstelle, die ich diese jahr noch nicht in betrieb gesehen habe und maxens grab. ich muss es nicht mehr betonen: in der abendsonne. der wind, der uns den ganzen tag begleitet hat, wird allmählich müde. es geht auf 19 uhr zu, jetzt heißts noch schnell was super gescheites zu notieren, aber mir fällt grad nichts ein. schade! immerhin weiß ich schon, dass morgen der 09.08.ist. das ist ein anfang. sieglinde kommt mit einem korb (eier?) vom nachbarbauer. man weiß nicht, was das bedeutet. enrico, alleinstehend, mitte vierzig, raucher, sonst angenehm, ist auch wieder da und erzählt von seinen scheidungen, familienkrächen, etc… armes schwein. habe ich schon geschrieben, dass ich oft aufwasche? wichtig! ich bringe mich -im verhältnis zu meinen begrenzten möglichkeiten- schon gut ein.

 

 

10.08.

 

fast windlos, zumindest nicht stürmisch. wandere richtung natschung, unterwegs ein wespenähnliches tier auf dem arm, das bei mir alarm auslöst. großer schreck, aber kein stich. mir wird bewusst, was für einen frevel ich hier treibe, als wespenallergiker und ohne notfallset alleine lustig durch die sommerlandschaft zu

spazieren. war erst vor paar wochen, nach zwei stichen und anschließendem totalkollaps, zwei tage im krankenhaus. also, kehr ich um und treffe holger mit seinem hund auf dem weg. beschließe heute abzureisen, die unruhe wächst.

der zoll in einem grünbraunen transporter -wir dachten urlauber wollen uns nach dem weg fragen- hielt vorhin neben uns und wollte wissen „von wo wir kommen und wohin wir gehen“ -ja, das ist die frage! worauf ich nach links zeigte: „von dort kommen wir und gehen dorthin“ -und zeigte ordnungsgemäß nach rechts. „wanderer?“ fragte der beamte und schielte auf meine auffällig unauffällige umhängetasche. „ja“ antwortete ich. „na, dann noch einen schönen urlaub!“. es scheint heut wärmer als gestern, weil der wind fehlt. er fehlt mir nicht, aber er ist einfach nicht da. axel sägt und bohrt in der scheune. ich werd wohl noch mal in die andere richtung, bis zu meiner lieblingsbank mit blick auf kalek (kalec?) gehen. hinter mir die windräder, die heut stillstehen -vermutlich ist der strom alle und so können sie bis auf weiteres keinen wind mehr machen, was ja eigentlich ihr auftrag ist. meine mir selbst gestellte aufgabe, während des symposiums keine skizze, zeichnung anzufertigen, habe ich gut gemeistert. das plan-soll ist erfüllt, ich hätte es nur über-/untererfüllen können, wenn ich die arbeiten des letzten jahres verbrannt hätte. aber dazu fehlte mir der mut. ich war auch zu faul, sie rauszusuchen und außerdem liegen sie irgendwo weitweg, zu hause, ich hatte sie nicht zur hand. schade, dass mein 11er-bier vor 11 uhr alle ist, aber es reicht auch erstmal: bei der hitze fange ich ab dem 2ten bier an unleserlich zu schreiben. andreas ist übrigens noch immer, seit 1/2 jahren! trocken, was ihn aber auch nicht geselliger macht. trotzdem schön für ihn, wir freuen uns für ihn und für uns, da wir jetzt sein bier mittrinken können. genug gelästert. ich muss mich vor der abreise noch rasieren -sehe aus wie ein penner. aber schön braun. gut, das sind selbige meist auch, sind ja viel im freien unterwegs. versuche meditierend in die landschaft einzudringen (ho-ho-ho!), da fährt ein grüner bus durch sie hindurch, mitten durchs bild. das wars dann mal wieder. jetzt ziehen wolken auf, verfinstern die bisher hellgrün strahlenden wiesen- und feldflächen (letztere strahlten natürlich eher ocker/beige…). jetzt ist die weiße kirche überschattet, jetzt passiert gerade gar nichts nennenswertes, nicht mal eins dieser unsäglichen autos oder mopeds kommt vorbei. jetzt sticht mich hoffentlich keine wespe, jetzt werd ich den block einpacken und einfach weitergehen. die inspiration ist weg und es ist gleich 11 uhr. ein weg mitten durch ein kleefeld, das ist natürlich für wespenallergiker -ich will nicht weiter darauf herumreiten- ideal! aber ich schaff es. angekommen, unterschreibe ich papiere für ein teilnehmerhonorar und parallel eine spendenquittung über den gleichen betrag. das übliche bei staatlich großzügig geförderten projekten.

nur wunschens und holger am ort, wir verabschieden uns so gut es geht. wir sind ja, wenn man uns lässt, umgängliche, nette menschen. plötzlich schwalben -jede menge- im tiefflug. die wolken ziehen ebenfalls tief übers tal, am rand noch bissel blauer himmel von weißen wölkchen durchsetzt. zentral überm panorama: dunkle, graue wolkengebirge, gewittrig siehts aus, aber ich werd weg sein, wenns losgeht…

 

ps: am samstag, zum abschluss noch mal mit sylke in rübenau: brigitte und fritz

schönfelder, uwe schwarz und frau, roland weise, etc… grillen, später am

lagerfeuer -ein schöner weinreicher abend und ich würde lügen, wenn ich

behauptete zu wissen, wer rückzu gefahren ist… ob ich mein projekt auch 2018,

falls es noch ein pleinair gibt, durchhalte?

 

 

 

 

vorweg: rübenauer allerlei

herr seifert sitzt bei einem pleinair im schönen rübenau, im erzgebirge, an der grenze zu tschechien -meist im regen- und weiß nicht, was er machen soll.

er hat schon in winsen, rotzendorf, most und vielen anderen bedeutenden orten der welt ausgestellt, aber ihm fehlts an lust auf „land-art“, im sinne von zeichnen und malen in der landschaft. was nun? er notiert (fast) jeden hahnenschrei, was ihm begegnet, passiert oder all das, was ihm nicht begegnet und passiert. warum man so was macht, das sei dahingestellt. die sinnfrage wird, meist ausgelöst von nassen schuhen, in den textfragmenten ohnehin bis zum überdruss erörtert. ob das jemand lesen will, entscheiden sie -ich halte mich da raus. fortsetzung folgt, der countdown läuft… -genug der drohungen!

 

 

ps: die handelnden oder irgendwo herumsitzenden personen sind nicht alle frei

erfunden, entschädigungen (auch schmerzensgeld) können aber leider nicht

 

gezahlt werden: dieses heft treibt den verlag auch so schon in den ruin…

05.08.2016

das bringt doch nichts sagte ich leise und fuhr fort unser meerschwein zu kraulen, nein, das bringt gar nix. weder sich in die luft zu sprengen noch weitere 200 leinwände zu bemalen, aber irgendwas muss man ja tun. rasenmähen hat noch zeit, das gras wächst zu langsam. und der herbst kommt zu schnell. da ist guter rat teuer und schlechte nachrichten verbreiten strafbar. ich mach mal`n punkt und die fliege, sieh-jou-leter. q.e.d. (w.z.b.w.)…

 

 

08.08.2016

pleinair in rübenau. gegen 9 uhr da, einige sind bereits wach, einige kommen später vors haus. sitze in praller sonne vor der scheune und versuche mich zu irgendeiner arbeit zu animieren. wunschs, schönfelders, lenks, schüllers, volkmar förster, holger weigelt. man muss sich ein schattiges plätzchen suchen, selbst mir ist es zu heiß. spaziergang, zeichne in der nähe. max, der hund von wunschs wird beim tierarzt eingeschläfert, großer schmerz. früh lag er zumindest noch vor der scheune, aber schon sehr schlapp. mit uli schönberg länger unterhalten. stille über dem kammweg, zumal nach max´ beerdigung. wind. fritz arbeitet, einige dösen im schatten, einige gingen spazieren. habe viele! alte! angefangene a3-papiere mit, die ich überarbeiten will. kinderzeichnungen, briefumschläge, was das herz begehrt… natürlich könnte ich das auch gut zu hause machen, aber hier gibt’s keine/wenig ablenkungen, kein telefon, etc… land-art ohne landart. die schwalben fliegen extrem niedrig über die prallen, erntereifen felder, das verspricht keine endlose fortsetzung des grandiosen wetters. am spätnachmittag ist es sogar in der sonne auszuhalten, ein leichter wind ist immer zur stelle. bis auf den nachbarn, der mit der kettensäge „holz“ macht -das bleibt eben auch in idyllen nicht aus. ansonsten ist es ruhig, die meisten „pleinair-teilnehmer“ bleiben unsichtbar, ich hüte die scheune und die getränkevorräte. der kurze antrieb spazieren zu gehen, erlischt, ich kann auch hier sitzen bleiben. aquarelliere, übermale, genieße einfach mal nicht-zuständig-zu-sein, gast, wenn auch inzwischen rechtmäßiges mitglied des kunstvereins laterne. abendsonne und warten aufs abendbrot. das licht wird immer schöner, aber zum impressionist werd ich nun doch nicht mehr, obwohl ich der jüngste der truppe bin, also – theoretisch – noch viele entwicklungsmöglichkeiten hätte. wers glaubt, wird auch nicht selig, aber stirbt leichter -oder? oder eben nicht, macht ja nichts. „fritz arbeitet“ in meinem rücken (das ist ein insiderwitz, da dies auch der titel eines für mich großen werkes von axel wunsch ist -aus den 80iger jahren). wolken verdecken die sonne, was soll das denn. sieglinde und brigitte unterhalten sich über diverse simonen -das ist auch fast ein bildtitel. immer 15 uhr gibt’s kaffee und kuchen. das sind so termine, die man sich merken muss. einige schwalben fliegen jetzt auch wieder höher über den feldern. vielleicht hat das alles nichts zu sagen. wo bleibt eigentlich der vereinsvorsitzende? ach, ja, der kocht -alles wird gut.

 

 

rübenau

warum landschaft? warum porträt? warum warum?

wenn es keine logischen verkettungen gibt, nur irrationale sprünge in chaotischen systemen, sind fragen eigentlich sinnlos. im hinblick auf die erwartung ihrer beantwortung, ansonsten sind sie natürlich (und) legitim: ich frage, also bin ich -das ist ja immerhin tröstlich. ich schaue auf sich fortwährend drehende windräder (drei) und vermute, dass das nichts bedeutet. die felder überreif, harren ihrer ab-erntung(?), der rest hängt grün und satt in der sonne. mich interessiert das einen scheiß. die landschaft, die nur auf das verschwinden des menschen wartet (als ihre einzige aufgabe) -heiner müller- ist mir egal, auch der börsenkurs. ich befinde mich auf einem „pleinair“ auf dem erzgebirgskamm und weiß nicht, was ich hier soll, tue, tun sollte. ja, schöne wolken, nette kollegen. jeder schaufelt sich sein eigenes grab, die sonne scheint, eine motorsäge kämpft mit irgendeinem stück holz und wir warten auf die apokalypse oder aufs abendbrot, oder auf den nachruhm. da können sich die windräder drehen, wie sie wollen. wer zuerst blinzelt hat verloren. ich bin ein umweltschwein, entsorge das leergut am feldrand, da papierkörbe fehlen, trotz vorhandenen bänken. das ist auch schon anderen aufgefallen, flaschensammler könnten sich die taschen füllen, aber diese spezies gibt’s hier nicht. die wolken erinnern mich einzig und allein an wolken und ich werde jetzt weiter kunst machen, bis die pinsel glühen, denn das ist meine aufgabe und mein stecken in der dunkelheit, amen.

 

 

09.08.2016

unterhaltung mit volkmar förster über die welt (insbesondere die kunstszene, das theater, insbesondere das bühnenbild, etc.) schön, immerhin mal mit jemandem zu sprechen, der horst sagert, ralf winkler, jürgen siegert, usw… noch kennt. mein gott, ich weiß alles, aber nur über fast nichts. wann kommt das abendbrot? um gottes willen!


“obelisk“ (!?) „zum gedenken an die gewaltsam vertriebenen von 1946“ -nicht nur vertrieben, auch noch gewaltsam, das hätte ich nun nicht gedacht! „vergass die hamit net“ steht och noch drauf. na, so ein glück. der obelisk für die ermordeten tschechen (jede sache hat doch immer mindestens zwei seiten) bohrt sich vermutlich tief in die erde, als gegengewicht. ein unterirdischer gedenkstein. fünf gemeinden gab es hier: natschung, gegr. 1549, heinrichsdorf, 1775, kallich, 1577, kienhaid, 1709 und gabrielahütten, 1778. ansonsten, falls ich es noch nicht erwähnte: viel grün, zuviel. hell- u. dunkelgrün und etwa dreihundert mischtöne dazwischen, darüber, darunter, am rand -kurz: drunter & drüber. fichten, fichten, fichten, vogelbeerbäumchen, laubbäume, linden, eschen (was weiß ich), fichten, fichten, fichten -halt, dazwischen eine lärche, fichten, fichten, fichten, fichten, fichten, fichten (zeilenhonorar, ich denk dran!). hunde begleiten mit ihrem gebell meinen weg durchs dorf, 3 gänse kommen todesmutig, kampfbereit und lauthals an den zaun gelaufen. ein wachschutz, besser und wirksamer als hunde. der wirt in der kneipe, in der mit seiner tochter und ihm und mir vier leute saßen, bescheißt mich beim wechselgeld. das nehme ich ihm übel, hier kehre ich nicht mehr ein, es sei denn, ich habe sehr großen durst – das kommt schon mal vor. kaffeetrinken bei wunschs in der kleinen anheimelnden küche. der kachelofen ist geheizt (schönfelders wären heute beim frühstück fast daran erstickt), axel kämpfte im gang mit der feuerung des ofens, der durch die nässe nicht richtig zog. als ich die küchentür aufmachte, sah ich im dichten qualm nur zwei menschliche schemen am küchentisch: ich schloss die tür und ging rauchen. ein foto hätte sich gelohnt, aber ungefrühstückt, um 8.13 uhr kann man sowas von mir nicht erwarten. jetzt albern wir dafür am küchentisch rum, erzählen von lustigen kochshows und nachmittagssendungen über antiquitätenschätzungen, etc. -eben künstler unter sich. einige, etwa die hälfte, also drei, sind zur zeit in chemnitz unterwegs. „nur mal kurz“, ich schätze 8 ¾ stunden -aber unbezahlt! chemnitz liegt eine gute stunde entfernt, man muss da aber nicht hin, wenns hier so schön ist. ich hab heut keinen bock auf kunst. das ist nichts neues, ich geh spazieren. das besondere liegt immer im auge des betrachters… das besondere daran liegt darin, dass ich nicht immer spazieren gehe, wenn ich keinen bock auf kunst hab, aber heute schon. was will man hier sonst machen. ich könnte ein durchaus kritisches gedicht über windmühlen schreiben oder darüber, warum hier alle feldwege – die gleichzeitig wanderwege sind – gepflastert sind (und das von unserem steuergeld! – bitte kursiv setzen, danke). zwei bänke zum vertriebenen-gedenken finde ich übrigens auch übertrieben, wenn sonst im umkreis von 17 km keine auch noch so bescheidene sitzmöglichkeit existiert. ich will nicht immer einen kasten bier zum draufsetzen mitschleppen, nur um mal die grandiose landschaft (diesseits + jenseits – sie wissen schon…) zu genießen. rübenauer allerlei. man müßte hier dringend lebensmitteldiscounter hinsetzen. die können gar nicht groß genug sein! das endlose grün hält ja keiner aus. es fehlen nur noch horden (das ist jetzt, ich sags gleich, politikel unkorrekt) von schwarzafrikanern, die über den grenzbach springen u. die idylle ist ganz im arsch (nich bös gemeint)… hier würde man gern etwas mit nationalem, zumindest lokalpatriotischem pathos singen. mir ist grad so, aber mir fällt nichts ein (schlechte kinderstube!). von rund 740 einwohnern der obigen gemeinden waren wiederum rund 300 in der forst- und landwirtschaft, nochmal soviel in der industrie (!?) u. im handwerk. 90 im öffentlichen dienst (immer diese scheißbürokratie), 70 in dienstleistungen und der rest (wir haben jetzt schon 20 mehr beschäftigte als einwohner –gut, also schluß. heidenweg (gibt’s hier wirklich, man glaubt es kaum, aber eben auch alles andere.) ich laufe mit einer wellpappmappe rum und schreibe – getarnt als maler! das ist zum schießen. früher, als ich noch jung war, hätte ich mich als wanderer vergleitet (freudscher fehler – ff.) verkleidet. habe ich schon das protzige grün erwähnt? wie der löwenzahn am wegrand strammsteht, erscheint mir wie eine frechheit, zumutung (wenn auch nach dem halbtägigen regen kein wunder). wenigstens die windräder versauen die landschaft so richtig -es sind zwar nur drei, aber sie erfüllen ihren zweck großartig (achtung, das ist fast ein kalauer: alternativlos)! das getriebe knackt in der abendsonne, das ist für mich nun wirklich was neues, hab ich noch nie gehört (gleich notieren!). ein kind quäkt anhaltend auf einem gehöft. ich werde wieder zur tränke trotten, die scheune liegt bereits in sichtweite…

 

 

immer noch der 09.08.!

rübenauer impressionen (am kammweg)
das ende der welt -scheiß drauf
hier gibt’s vogelbeeren in prallster dolde
riesige brennnesseln, endlosen regen
dort hinterm grenzstein ein verfallenes haus
wege, felder und strauchwiesen, bäume querfeldein und am rand und
verschiedenste sorten und ruhe, erschreckende stille
außer der nachbar, den es immer noch in rufweite gibt, sägt holz
der regen ist so ekelhaft zäh in dieser absurden idylle
dass man darüber gedichte schreiben könnte
oder sich aufhängen: sogar der bach rauscht
flächen-natur-denkmal, der mist dampft vergnügt hinterm haus

der schuppen blechbeschlagen schweigt, ich will nicht nerven

aber der regen wird immer schlimmer
man kann hier gut ausspannen, wenn man es kann
es nicht in einem schreit, stimmen da sind am feldrand, in der luft
die tieffliegenden schwalben über dem reifen getreide hatte ich gestern
richtig gedeutet -leider, ich bedaure, das ich keine stiefel habe, nicht mit stiefeln geboren wurde und mit rüstung, stoßzähnen oder zumindest einem geweih
gestatten, nichtraucher, angenehm

frau mit hund, ohne hut, aber schirm
traktoren, heuwagen ziehend, sich keuschend den berg bis spät abends hinaufquälend, ein himmel mit sternen, ein feuer unter einer hohen lärche
fünf mehr oder weniger verkrachte künstler (-existenzen)
eine freundliche hausherrin und ein schwer, sehr schwerhöriger hausherr und herr der scheune und eines hundes, der gestern eingeschläfert werden musste
wir zählen die sternschnuppen, flugzeuge, das noch vorhandene bier
unsere stunden sind gezählt, wir erwarten die abreise, ihr zeitpunkt ungewiss/ unbekannt
wir zählen immer alles. unsere bilder, unsere frauen, unsere kinder, unsere einkünfte und die straßenlaternen, auch wieviele chancen wir verpassten, die autos unserer nachbarn innerhalb von 10 jahren und die herzinfarkte und krebsbefälle in unserem hausaufgang oder im freundeskreis oder oder und es nützt uns nichts, gar nichts, basta, pi-pa-po!
ach, der herrliche flieder, welche pracht! es gibt hier überhaupt keinen flieder und wenn, ist er längst verblüht, es ist mitte august! sagte ich schon, dass es regnet?
wir erwarten die apokalypse mit dem schlimmsten wurde bereits gerechnet, aber da hatten wir uns ins eigene fleisch geschnitten und gehörig verrechnet. der weltuntergang wurde wegen dauerregen abgesagt, abgesetzt, verschoben, einfach ersatzlos runtergespült.
menschen pro quadratkilometer? wenige, aber das machts nicht wirklich besser, das denkt man immer bloß in den großen städten

hier sitzt man im grünen (oder, wie heute: im grauen) und muss damit leben, dass man sich bis zu seinem lebensende mitschleppt/mitschleppen muss)
halleluja! ich lass mich von mir scheiden

 

 

rübenau (II)
(rauchbrannt -gestern haben wir sieglindes keramik in einer blechtonne auf dem lagerfeuer gebrannt)
die idylle der felder, wiesen und scheunen, gehöfte und wälder was soll man dazu sagen? hübsch, sehr nett, aber mit mir (uns) hat das nichts zu tun, ist auch harte arbeit, das alles, die landwirtschaft und mit den tieren und so -alles nicht einfach, aber schön zum wandern, faulenzen, wenn die sonne scheint. was du wieder so schreibst! aber irgendwas muss sogar ich tun, bzw. so tun als ob ich was tue. ach du scheiße -jetzt springt auch noch 1 reh über die wiese und rein ins kornfeld (roggen/ weizen – keine ahnung) -das hält man ja nicht aus! es hält genau auf mich zu: ein rehbock! sieht mich an, ich bewege keine wimper, geht weiter auf mich zu, schaut, schaut noch mal, geht immer weiter auf mich zu. ich sitze wie zu einer salzsäule erstarrt, soll ich ihm eine zigarette anbieten? der wind kommt aus meiner richtung ist er doof? dann schwenkt er ab, springt mit großen sätzen richtung wiese, straße. jetzt, da ich mein feuerzeug suche, stelle ich fest, dass ich den foto in der jackentasche hab. zu spät. vielleicht kommt ja noch was vorbei, ein delphin? ein was-weiß-ich? um drei gibt’s kaffee im sanatorium, der anstalt, genau u. real: in der scheune beim pleinair. bis dahin schaff ich noch ganz in ruhe mein bier.
ich könnte noch bissel über die welt nachdenken oder es bleiben lassen. diese vielen schönen entscheidungen haben wir ja noch, möglichkeiten ohne ende. wir könnten sogar, also rein theoretisch/ hypothetisch, biowurst kaufen. na, das wär doch mal was! „fick die kuh“ (sagt man hier umgangssprachlich) - das wäre ja der hammer! da passiert grad ganz viel (in der gelben gruppe -hinweis des verfassers), das ist, wie das ganze leben, ein inseiterwitz (wollte schon insider schreiben). es regnet nicht einmal, man ist einfach so (sozusagen völlig grundlos) deprimiert. das ist nochmal so deprimierend! so ganz ohne grund, ohne regen, ohne atomkrieg. ich sitze völlig sinnfrei in einem getreidefeld, rehe sind auch keine mehr da und es fängt- fick das huhn (umgangssprachlich für „leck das schwein“) nun doch an zu nieseln. leute, die mental schlechter drauf sind als ich, würden sagen: es regnet und zwar unangenehm stärkerwerdend… deshalb mach ich jetzt schluss.
eigentlich muss man bei pleinairs, symposien etwas mit anderen frauen haben (kolleginnen natürlich mit kollegen -und alle anderen facetten, usw., das ist heut ja alles nicht mehr so einfach). eben kam eine dame mit einer dogge vorbeigejoggt, dadurch kam ich drauf. in rübenau sind die teilnehmenden aber meist 20 jahre älter als ich -und da bin ich schon alt oder sehe zumindest so aus, da bleibt nur spazieren, wandern, etc. (etc. aber nur, wenn die sonne scheint -scheint sie morgen wieder? bitte, bitte, bitte...). die wenigen pkws und lkws, die hier fahren, tun dies wie die bekloppten, rasen (wie ich sonst) besengt und hirntot übers land. oh, charon!
ob in diesen sehr, sehr vereinzelten häusern, oft mit heruntergelassenen jalousien, also eher trutzburgen der rechtschaffenheit, menschen, richtige menschen leben, konnte ich nicht ermitteln. stille, stille – nur das getreide knackt (sich selbst) u. das schamhaar der weizenfelder wogt sanft im wind. säen, wachsenlassen u. ernten, als ob es so einfach wäre, der kreislauf gesetz, unabänderlicher befehl – weit gefehlt. gelingen ist zufall, abhängig von x bekannten und x unbekannten faktoren, nichts muß, vieles kann. unter einer lärche sitze ich, die sich sehr stattlich am südlichen hausgiebel ausbreitet (ist das zuviel information?), ihre äste ragen über die wiese, über mich u. reichen fast bis zur feuerstelle, die heute kalt bleibt.

 

 

10.08.2016

rübenau III
drinnensitzen, draußensitzen, festsitzen. regen, der einen festnagelt, „zeit, die nie vergeht“. was -ich brauch nur in d. spiegel schaun- ein irrtum ist, ein missverständnis jagt das nächste. die windmühlen stehen still, meine schuhe sind längst durchnässt, ich könnte was(?) schönes malen oder die aussicht genießen. „bildbeschreibung“: diffuses gewölk, bausünden in idyllischer landschaft. den blick schweifen lassen, die wäsche auf der leine bleibt nass oder wird es grad wieder. ich notiere alles, nichts entgeht meinem stift -überflüssiger weise. ein radio wird in meinem rücken eingeschaltet. ich muss nachrichten zur kenntnis nehmen, die mich weder betreffen noch interessieren. ich habe keine allergien und werde den us-bürgern nicht bei ihrer wahl helfen können (auch nicht wollen). so bleibt vieles beim alten und die wäsche vorerst nass. ich bin zu gehemmt, um aufzustehen, aber die nassen füße fordern veränderung ein. die wolken versprechen nichts gutes, aber wir wollen die gute laune nicht verlieren und die hoffnung nicht aufgeben. ich muss mir dringend die fingernägel schneiden und den foto aufladen. es gibt also viel zu tun und ich sitz hier rum, nass, aber doof. es geht uns gut und wir unternehmen viel. leider ist die schöne zeit wieder viel zu schnell zu ende. bis bald. bla bla…

 

windstill, wir sitzen im bunker und warten auf den feind. die gespräche am frühstückstisch drehen sich um flucht und vertreibung und um die sommermode 2016. es gibt kaffee und aufgebackene brötchen. als deutsche, sagt inka, findet sie das nicht in ordnung. ich habe nicht zugehört um was es ging (vermutlich um drogen oder waffen). bernd fragt noch mal nach der erdbeermarmelade, dem verhältnis von fruchtanteil zu gelierzucker. ich würde dieses gespräch gern abbrechen, indem ich ihm ein ei an den kopf werfe, aber es gibt kein ei -heute ist mittwoch. über die kaffeesahne waren alle verblüfft: der kaffee wurde tatsächlich heller – auch bei roy, der eigentlich schwarz trank, was ute aber überhört hatte. heute könnte man so richtig was unternehmen, wenn man dazu lust gehabt hätte. die wolken lösten sich auf (wie die kaffeesahne). herrlich dieser ausblick, seufzte inka und das meinte sie nicht nur als deutsche und mutter, sondern ganz wertfrei als durchschnittsmensch gleich welchen geschlechts, religion oder hautfarbe… einfach als mensch, der sich trotz über 40jähriger gegenteiliger erfahrung, immer noch jeden tag versucht einzureden, dass das leben irgendwas sinnhaftes sei/habe, das es nur zu entdecken gilt. so freut man sich über nicht zu süße erdbeermarmelade, die erholsame nacht und ist dankbar für den voller geheimnisse und überraschungen vor einem liegenden tag. wer soll da nicht durchdrehen. das von birken besetzte haus gegenüber war dem verfall preisgegeben, blieb aber eine ausnahme, ein hilflos glitzekleiner schandfleck (eigentlich nur ein fleckchen) im allgemein vorzeigemäßigen idyll, wo jede gartenrabatte, jede blüte jeder staute ansonsten genau wusste, worauf es ankam und sich sichtlich anstrengte, gut, ach, was sag ich: frisch, gesund, rein und ordentlich auszusehen. „immer bereit!“ die vogelbeerbäume und die strammen fichten strotzen vor gesundheit, genauso wie die kühe, die ziemlich echt aussehen und noch auf richtigen weiden/wiesen stehen, saftigen saftig grünen, versteht sich, mit pferdekümmel, gelbem löwenzahn, klee oder blümchen -ende.
es passierte trotzdem, was passieren musste: der tag verging (lautlos, wie er gekommen war) und wir waren am abend zufrieden. strengt auch an so ein ereignisloser tag -noch dazu im freien.

 

über das thema sollte man sich vorm schreiben absolut im klaren sein. flieder, z.b. oder frühling kommt immer gut, auch mädchen und frauen oder urlaub an der see, impressionen vom meer, wind, sand, von schiffen, fischern und fischen, also, tiere notfalls auch. das geht immer. irgendwas geht immer. vor bedrohlicher kulisse. z.b., sturm, wolkenbruch und menschen auf der flucht vor ihnen, den naturgewalten und irgendwas (eben) mit großen gefühlen, angst und rettung und unermesslicher freude. -ich spotte nicht, ich kenn das ja selbst, das glücksgefühl (wieder) ein rettendes dach zu erreichen, über dem kopf zu haben, durchnässt sich an einem kaffee zu laben, die füße zum ofen gestreckt. überhaupt das glück in decken gewickelt zu sein, die wohlige wärme nach den katastrophen einer pechschwarzen nacht. themen eben, wie aus grimms-märchen, die möglichst wenig mit hochindustriellen produktionsprozessen zu tun haben -logisch. irgendwas archaisches, urtümlich sagenhaftes, mystisch-gewaltiges, auf jeden fall. etwas das es nicht bei aldi im sonderangebot gibt -soviel ist klar. so ein thema, bei dem einen der atem stockt, das unter die haut geht: gänsehaut pur und dramatisch bis zum abwinken, eben ganz großes kino. eisschollen und sommergewitter zwischen mittelalterlichen burgen und über verlassenen dorflandschaften oder industriebrachen. wo es richtig kracht, blitz und donner und einem der atem stockt, der puls rast -schneller als der hagel fällt, auf die dürre erde trifft (eindrischt, wie der sachse sagen würde). opernkulissen, wie gesagt, nichts weniger als große emotionen und wirklich existenzielle konstellationen, eben wies leben so ist. nicht mehr und nicht weniger: „real live“ (oder life?)

 

 

11.08.2016
annaberg – new york – rübenau (warum schreibt man solche texte?)
beruflich -würde ich gern was mit kunst oder sex machen, aber nichts mit menschen. was denn dann -mit tieren? ja, ich liebe tiere, ich habe fast ein doppelherz für sie, könnte man sagen. ich, jörg seifert, die kontodaten können jederzeit erfragt werden, habe ehrlich freude an und mitleid mit der kreatur. tiere sind sooo süß! wahrscheinlich werde ich auch noch vegetarier, weil ich schon gar kein schnitzel so richtig genießen kann, wenn ich immer an die kleinen ferkel und rosa schweinchen denken muss. bei erbsen ist das anders. bei erbsen oder sagen wir mal mischgemüse im allgemeinen, kommen mir solche ideen nicht. na gut, bei blumenkohl vielleicht noch ab und an oder spargel -aber das ist ja ganz was anderes. das hat mit erbsen nichts, sagen wir mal: wenig zu tun. verstehst du, was ich meine? hörst du mir überhaupt zu? also um noch mal auf meine angestrebte berufliche neuorientierung zurückzukommen: bei sex mit tieren gibts natürlich nicht wirklich viele berufliche perspektive. ich meinte das auch mehr im übertragenenen sinne, als berufe wo a) tiere und b) eine gehörige portion tierliebe benötigt werden, eben so was archaisch-bodenständiges, weißt du? was einen schon ganz schön fordert, quasi herausfordert, wo man auch verantwortung trägt und vielleicht blaue latzhosen -aber das wär für mich kein problem. wenn ich mir was in den kopf gesetzt habe, kann ich schon kämpfen. für eine sache, für eine meinung einstehen und die kniee durchdrücken, kuhporträts vor mir. und jede einzelne ein einzigartiges unverwechselbares individuum. ach, das wär klasse, das wär was, was wir schon längst gebraucht hätten. als anstoß zum nachdenken über uns, die tiere, ja, über die ganze welt! beruflich schwebt mir jedenfalls irgend sowas vor –unbedingt und kompromisslos.

 

das format
das format macht etwas mit mir, das format macht, lässt das erzgute(?), merkwürdige gefühl in mir entstehen, dass ich es vollschreiben muss. völlig zwanghaft. ich könnte natürlich größer schreiben, dann wär ich schneller fertig. aber was dann? dann liegt das nächste blatt vor mir u. das nächste u. das nächste. oft kommt man auch erst mittendrin so richtig in fahrt, da läufts plötzlich wie von selbst und von ganz allein und dann, ja, dann ist das blatt vollgeschrieben und dann sieht man noch älter aus, als man eh schon ist. nein, das ist nicht schön, deshalb versuche ich mich schreibtechnisch zu disziplinieren, nicht über die stränge zu schlagen (besser: zu schreiben) und alle gestisch ausufernden gebärden zu unterdrücken. das gehört hier auch gar nicht hin und muss auch nicht sein. ich krieg das blatt auch so voll, auch wenn ich noch kleiner schreibe -es gibt ja so viel zu erzählen! wenn man da einmal anfängt, findet man überhaupt kein ende -„kein ort nirgends“ sozusagen. es passiert ja auch unendlich viel, eben brach sich die sonne völlig unverhofft, doch noch mal bahn durch die wolkenwand. die uns -gott seis geklagt -seit dem frühen morgen (und es war heut ein unangenehm früher morgen!) begleitete. ja, die dinge sind immer im fluß oder zumindest nah am wasser gebaut. ach, ich scherze schon wieder. ein schelm, wer was denkt! ich habe aber nun doch nicht so viel zeit, meine zeit ist nicht so unendlich endlos, wie meine geduld, dass ich mich nun den ganzen tag mit diesem mickrigen (sicher falsch geschrieben, seufz!) papierstück, blättchen beschäftigen könnte -sinnfrei u. frohen gemüts, als gelte es, einmal den schönen künsten geweiht, nun ewig an der realität vorbei, quasi im paralleluniversum leben zu können, umgeben von paradiesischen düften, alle mannas aller traumwelten aus den händen und schößen liebreizender (und braungebrannter!) schönheiten zu empfangen und von allen früchtestrotzenden bäumen u. sträuchern zu pflücken. nein, auch der künstler und narr (in buchstaben: NARR) hat pflichten und die zeit seines müßiggangs ist begrenzt, beschnitten, rationiert, reklementiert und eben überhaupt nicht ein endloser pool aufreizenster vergnügungen, wie sich das manche kunstfernen individuen ausmalen, ohne dass sie dazu überhaupt auch nur im geringsten befähigt, geschweige denn befugt, beauftragt, ermächtigt wären. und es dennoch -leichtsinnig und leicht größenwahnsinnig, unkontrolliert und ohne jedes zu akzeptierende reflexionsniveau, ohne ein minimum an überhaupt jeglicher legitimierender vorraussetzung- tun. im schweiße ihres angesichts u. gläubig ihre völlig fehlgeleiteten energien für eine vermeintlich gute -in wirklichkeit aber total sinnlose- sache verwenden. einsetzen wäre untertrieben. u. jetzt stellt sich heraus - scheiße! -ich habe zu groß geschrieben, für den abschließenden zusammenfassenden sozusagen basisgedanken, der diesen text abrundet und intellektuell auflädt, reicht der platz nun nicht, das scheiß-format ist zu klein für die so wichtige quintessenz!

brüll!

 

 

 

 

 

 

12.8.2016

sich fürs unterwegssein entscheiden, nomadentum akzeptieren (siehe: radwechsel von b. brecht), mais, kalt steht er auf dem feld

landflucht (in die „falsche“ richtung…)

nicht vom land in die stadt, sondern aus den städten aufs land, ins grüne (in die grünen höllen: explosionen, unkontrollierte pflanzenwucherungen/krebshaftes wachstum) fußballfeldgroße felder -und größere- voll getreide, mais, was weiß ich.
entschleunigtes leben im vakuum scheinbar stillstehender zeit.
hoffnungslose flucht vor uns selbst, zu uns hin. „ich bin schon da…“ „rufts aus dem wald“. die saatkrähen nehmen uns nicht ernst und nicht jeden tag kann ein rehkitz, uns zur freude, uns erbauend aus dem dickicht, den büschen am waldrand springen

-egal ob dem glücklichen keine stunde schlägt oder nicht keine. die wölkchen ziehen drüber weg. machen sich aus dem staub oder uns nass, ohne abschiedsgruß, viell. 1 paar tränen fallenlassend. wir kommen ja wieder, immer wieder, immer wieder. der glaube an die wiederkehr des immer gleichen, dabei kehrt nichts wieder, alles ändert sich beständig und wird im zeitenstrom weggespült, runter damit, auf nimmerwieder-sehen -das ist die ganze evolution, einfach ein naht- und endloses verschwinden, ein ständiges sich auflösen des status quo, der immer nur einbildung ist, sehschwäche, indem sich alles verändert, fortwährend stirbt und sich neu gebiert (gebiert?)…

am geilsten ist es, wenn es regnet und die sonne doch irgendwie durchbricht, irgendwo und es warm ist/wird und von oben sprengelt (sagt man das so?) und es einem egal ist, weil man wie für eine nordpolexpedition angezogen ist, also pullover über t-shirt darüber eine fließjacke mit kapuze u. darüber eine mindestens hochgebirgsgetestete jack-wolfskin-jacke, eigentlich ein anorak, etc… dann macht nieselregen spaß, weil man im trockenen warm (rum)steht u. denkt: du kannst mich mal. nur das papier, auf das ich meine euphorischen notizen schreib, weicht leider durch -ich muss schluß machen. ich liebe euch alle – selbstverständlich, aber jetzt ist erstemal schluß, von mir aus werbung, pause, was weiß ich!
nebel, was für ein regen! die idyll. landschaft verschwindet ganz allmählich, ich sitze am hochstand am feld, an einem der unzähligen felder kein reh in sicht, die rentner basteln an ihren keramiken, ich bin dem entflohen, obwohl es kein entrinnen gibt: in 15 jahren, falls ich da noch lebe, werde ich auch irgendwas in ton kneten, um irgendwas (zum 2.ten mal) zu hinterlassen. aber wir haben genug keramik zu hause, von meiner mutter, die sich gern beschäftigte, um anderen freude zu bereiten, was ja sehr schön ist. aber soviel menschen, die sich an ihnen freuen könnten, wie keramiken, kennen wir gar nicht… da fällt mir spontan der müller-witz über den unterschied von onanie und u-bahnfahren ein: bei letzterem lernt man mehr leute kennen…

 

 

 

 

 

 

 

ende und tschüß…

 

glauben wohl, sie sind genies

denen götterfunken blies

ins gehirn, was sie verzapfen

scheiße wars, jetzt fehlt ein reim

aber dennoch ohne zagen
wollen wir das kunststück wagen

munter schaffen ohne reue
das sich einst der nachlass freue
soviel brennstoff war fast nie
man fällt dankbar auf die knie
wenn man erbt, was nutzen bringt
sanfte wärme draus entspringt
da herrscht jubel, tirilieren
denn wir müssen nicht mehr frieren
lodert blatt um blatt im ofen

danken wir dem künstler/doofen
der sein herzblut ausgeschüttet
: letztlich brennstoff, der verhüttet
werden kann und werden muss
scheiße wars -und nun ist schluss!

 

 

12.08.2016
reimerei in rübenau

die felder (das getreide auf den feldern) stehen zur ernte bereit
für die bauern die schönste und schwerste zeit
schwalbennester machten sich an den stalldächern breit
es ist für poesie wohl doch nicht die richtige zeit
alles wogt und summt weit+breit+immer bereit
von zeit zu zeit -keine seltenheit
wälder weit und wiesen -wir sollten sie genießen
es grünt so grün, wenn wir die blumen, pflanzen, die beete gießen
ganz ohne zu verdrießen, uns kann man nichts vermiesen
die dahlien stehn wie riesen, die fingerhüte niesen
die jäger wollen schießen, die bundeswehr, wenn wir sie ließen
ein fleck/kein fleck, grün/braun/ocker, gelb und blau -so mischts sich locker
malt man wässrig mit gewinn schnell ´ne ganze landschaft hin
da ein wölkchen, dort ein strauch
und der berg mit dickem bauch
heisa, wie die farbe fließt und sich aufs papier ergießt
einmal werden wir noch wach
dachten viele, ach, ach, ach!
sieh nur sieh, die lahmen typen, wie sie mühsam wasser trüben
malen bis die schwarte kracht -ohne schaun

skrupellos, ohn` acht und macht
säuseln sie dem himmelsvater nach

so als könnten sie was, ach
und sie spreizen sich, wie meister -keiner braucht den scheibenkleister

 

Wilhelm Busch in Rübenau

 


genaugenommen schmeckt mir „jever“ gar nicht, aber zu andreas hab ich gesagt: „alles egal -hauptsache viel!“ das problem ist, das der, der alle preise- und getränkefragen organisatorisch klärt, nichts mehr trinkt (außer tee, limo, cola, kaffee + wasser). da kann man schon von glück reden, wenn er bedürfnisse anderer überhaupt auf dem „schirm“ hat. schirm brauchte ich jetzt auch. es regnet. genaugenommen, ist es auch egal, ob es schmeckt, hauptsache, es dreht. wenn ich eine liste der nichtschmackhaften biere anführen will, werd ich nie fertig. braustolz, sternburg, jever (viel zu herb), radeberger (ganz allgemein scheiße, vorallem in der werbung mit der semperoper), berliner kindl (das ich aus patriotismus + sympathie immer vor ort trinke, aber genaugenommen zum kotzen finde) etc…die bayern fehlen noch, die ja vieles können, aber bier auch nur bedingt, wobei paulaner, ich will jetzt keine schleichwerbung machen, die ich eh nicht bezahlt kriege -wo war ich stehengeblieben? bei keramik? genaugenommen läuft das ganze leben sehr schlecht, mittelmäßig, wenn wir uns nicht bissel selbst bescheißen. ich versuch es redlich, mit bescheidenem erfolg. was knackt denn hier ständig im gras? würgeschlangen? wühlmäuse? in einer stunde gibt’s kaffee, außerdem regnet es – wie immer, wenn man schon mal äscht interessante gedanken hat das s-wort verkneif ich mir an dieser stelle. alles noch mal auf anfang. ton, bild ab – wir drehen (frei?), absolute ruhe! und: action, aber der nebel und sprühregen interessiert uns nicht und was nebenan im gras knackt, werd ich nie erfahren …

 

einige der häuser hier sind in derartig reinlich durchgestyltem zustand, die vorgärten zum erbrechen sauber und gepflegt, dass man sich nur schwer vorstellen kann, wie die bewohner in irgendeinem zimmer eines solchen hauses möglicherweise miteinander ficken. ups, jetzt ist es raus. selbst ich, der eine gewisse fantasie hat, scheitert daran total. heiner müller sagt irgendwo dazu mal sinngemäß: „umweltverschmutzung ist in solchen gegenden die einzige und letzte hoffnung…“

 

bei sonne

klar, trinkt sichs besser bei sonne, aber keiner hat gesagt, dass es leicht wird. „braun -auch ohne sonne“ stand auf der heckscheibe eines caddys am straßenrand -was nicht die meinung des verfassers wiederspiegelt! bei sonne ist es keine kunst schön und sexy zu sein. aber bei regen? ich weiß nicht. ich weiß gar nichts mehr, selbst zu trinken fällt einem bei dem scheißwetter schwer -muss das jetzt sein? kann ich nicht was malen oder über liebeskummer schreiben? oder oder?

 

die wahnsinnigen verbrennen nasses gras (und das am hellerlichten, einem verregneten vormittag!). ich habe mich in sicherheit gebracht, sitze einen knappen kilometer am waldrand auf einem hügel gegenüber. rauchzeichen, schwarze schwaden, schwer zu entziffern. ich begrüße die vorbeirasenden radfahrer angemessen und beneide sie nicht. nur ihre rucksäcke, vermutlich voller wasserflaschen, können sie mit einer plane zum „drüberziehen“ schützen. ach, sieh da, ein bus fährt an mir, auf der straße vor mir, vorbei (grüß gott!) als ob es sich hier um zivilisatorisch erschlossenes gebiet handeln würde. ein traktor auf dem feld zwischen den wahnsinnigen feuerteufeln und dem wahnsinnigen am waldrand, aber direkt an der straße, zerstört schon im ansatz jede aufkommende romantisch-naturidyllisch gefärbte regung von natur-pur/heidifilmimitationsgefühlen. die motoren- und fahrgeräusche, die stimmen der wahnsinnigen, die mit dem traktor und martialischen heugabeln irgendwelche pflanzenteile (heu? stroh? ach, was ist man für ein stadtkind, kleinstadtkind -noch schlimmer) hin- und herbugsieren, eine akustisch unangenehm sich heran- und aufdrängende störstelle auf dem sonst (bis auf die windräder) makellosen landschaftspanorama darstellen. ein freilichttheater par exelenz (mit richtigen, lebendigen akteuren!), für ganz wenig, im grunde für gar kein geld. schon wieder ein auto und noch eins. jetzt macht der traktor mittag. pause, vorhang (falsche reihenfolge!). die hantierenden legomännlein stehen still und gucken dumm -vermutlich, von hier aus kann man das nicht sehen, nur vermuten. jetzt folgen sie ihm in richtung gehöft. ein hubschrauber(!) -wo bin ich hier, nicht zu sehen, aber deutlich zu hören. bin ich hier in der bronx?
ich werfe müll in den wald, die rauchschwaden haben sich vor der scheune verzogen, ich kann zurückkehren. außerdem ist das bier alle und es wird zunehmend feucht am hintern und das hat nichts mit inkontinenz zu tun. den II. akt „feldarbeit“ verpasse ich, aber war eh nicht sehr spannend, scheiß drauf. das ist kein schönes ende, ich kann nicht jeden bericht so abschließen! -scheiß drauf!

ich habe ein bisschen über die welt nachgedacht, aber es hat nichts gebracht. rainfarn -sieh da, sieh da- nehme ich zur kenntnis. im winter werd ich mich nach so einem gelb verzehren (hab ich das nicht wieder schön gesagt?).
ich schreite ein paar verfallene häuser, fabrikbrachen ab, der fotograf in mir zuckt kurz, aber noch erinnere ich mich, dass ich hier schon letztes jahr fotos gemacht hab. die in den himmel ragende verkohlten balken des ehemaligen dachstuhls, der rest des dachstuhls, der zerfetzte sicherungskasten in ziegelbröckelnder wand, drei irre zerrissene kabel und wirre drähte hängen irgendwie
stylisch aus ihm heraus und in der luft. das glaslose fenster daneben, das tor, das den blick auf hüfthohe blühende landschaften freigibt, da es schon seit jahrzehnten fehlt. ich grüße auch die birken in den wenigen resten von dachrinnen und die werktätigen, vermutlich zum großteil längst verstorben, deren atem, deren stimmen einst in einer anderen, da sehr viel früheren welt, hier den raum füllten, durch das gelände klangen.

 

 

12.8.2016/ 27c

man (ich) weiß nicht, was man sagen soll, ein vogel erzählt uns was, aber was? ich setz mich in die nässe, mittenrein auf einen vorher im regen stehenden stuhl -ich hätte mir das denken können -aber tat ichs? nein. beim kaffee unterhielten wir uns über juristen und rechtssprechung (unter anderem in deutschland). was soll man dazu sagen? der regen hat aufgehört. der wiese ist das egal, mir auch. wolkenverhangener spätnachmittag. wir fahren zu simone zum geburtstag. wer ist das? zumindest, wie mir versichert wird, keine künstlerin -uff! eh ich hier rumlauf oder –sitz, werd ich mitfahren. ich bin ja prinzipiell für jede abwechslung dankbar: auf nach lengefeld, auf in die weite welt!

 

 

 

 

13.8.2016

ich hab heute menschen gesehen. das land scheint besiedelt zu sein, obwohl die ersten tage nichts darauf hindeutete -außer vielleicht die asthäufen, die ich an ein paar stellen am waldrand fand. heute jedenfalls betrachtete ich aus sicherer entfernung -ich saß zwischen mehreren merkwürdig blühenden strauchartigen hecken eine frau, die wasser aus dem fluß schöpfte und damit plastekanister füllte, die sie, jeweils einen an jeder hand, wegtrug. ein trugbild? hatte die sonne mein gehirn so gemartert, daß ich anfing zu halluzinieren. ich beschloss mich heute an schattigen plätzen aufzuhalten. viel gab es ohnehin nicht zu tun. ich besah mir noch mal meine to-do-liste, die ich mir (gestern, war das nicht freitag?) geschrieben hatte. sie war dürftig ausgefallen: frühstücksabwasch machen, den mittagsabwasch nicht vergessen und den abendbrotabwasch ebenfalls nicht liegenlassen. ich erinnerte mich an dienstag, als ich aufwachte und sich vor mir der ganze nicht bearbeitete abwasch von montag auftürmte. schrecklich. sowas will ich hier nie wieder erleben. die frau tauchte wieder auf und füllte die nächsten kanister. was stand noch auf meiner liste? falls möglich, beeren sammeln für den sonntagskuchen. man kann in dieser gottverdammten, kargen gegend gar nicht zeitig genug damit anfangen. außerdem feindsender abhören, wegen der weltnachrichten -ich möchte nicht von so einem grusligen sommergewitter heimgesucht werden (ich erinnere mich gut an ´68). das schöne am feindsender ist, das er immer viel besseres wetter in aussicht stellt, als der heim(l)iche unfeindliche. hoffentlich vergess ich nicht den zugangs-pincode, den hätte ich mir lieber aufschreiben sollen. wie war er gleich noch? acht, acht, geteilt durch pflaumenkompott und wurzel aus vier. das müsste sich merken lassen. die frau verlässt das flußufer und verschwindet im wald. ich werde ein nickerchen machen, dann ein footfood-restaurant aufsuchen (war ein scherz), also irgendwelche wurzeln ausgraben und beeren pflücken. heute abend wollen wir grillen. wollen wir das? gibt es genug anlässe dafür, haben wir überhaupt freunde, die wir einladen können, sind wir wirklich keine vegetarier? weiß ich das genau oder nur so vom hörensagen. erzählt wird viel, wenn der tag lang ist. hier sind die tage grünlich, aber kurz. minimal-art, schätze ich mal oder zero oder zu doof, um wahr zu sein. meine tinte ist alle, auch mein herzblut und gleich kommen die gäste. gäste? hatten wir post? na, egal, auf jeden fall mach ich mich jetzt auf die socken, aus dem staub und vom acker, an dem ich z. Zt. -ob ihrs glaubt oder nicht- mir doch egal, sitze (und schwitze -bin ich wieder witzig!).

 

warm angezogen habe ich mich heute und alle kronenverschlüsse aus meinen hosentaschen ins feld gesät. hoffentlich geht die ernte auf. das gehämmre von a. (fast hätte ich geschrieben von a-f, man oh man) nervt total. überhaupt bin ich heute leicht, sehr leicht reizbar, trotz sonne und fröschen am wegrand. die einzelnen expeditionsteilnehmer haben sich an verschiedene orte begeben, um in ruhe ihrem müsiggang nachzugehen. hinterm holunder sitzen auch mal drei/vier zusammen und besprechen die tagesergebnisse, besonders schwere fälle und die morgigen vorgaben und anweisungen. fritz malt auf einer wiese und wird von einer katze umkreist, jutta liest im garten. rauch steigt auf: das lagerfeuer wurde vorfristig angezündet, ich bohre in der nase und warte auf post. die stimmen vom holunder kommen näher, weiße wölkchen ziehen über den azurenen himmel -ein augusttag, der wie urlaub aussieht. es werden kleider bestellt oder ginkotee, man kann aber auch über netzdorf fahren, wenn man genug zeit hat, geduld vorausgesetzt. und mühe und anmut. ich schweife ab, aber der leichte wind wurde mit viel wohlgefallen aufgenommen. der teich applaudierte den plötzlich aufsteigenden enten. die sonne wurde gegen abend deutlich milder und wir genossen die stunden im freien, auch wenn ein bmw unseren weg kreuzte. jeder ist mal dran und wer nicht hören kann, muss noch mal von vorn anfangen. es knistert. es wackelt, aber es tickt nicht und kann daher gar nicht richtig ticken, wenn es quasi nicht existiert. da kann man nix machen. andere haben es auch nicht leicht und die scheunen traten sichtlich gelangweilt auf der stelle der landschaft, die sich hier grün ausgebreitet hatte, als hätten sie dazu zeit. die kinder, ja, sie gehen noch zur schule und spielen ab und an fanger. seltener sind sie im stück auf dem boden zu finden. zwei der fünfzehn teilnehmer lachten. bernd schlief auf dem stuhl ein und einige wenige hatten basecapes auf. immer diese schlieren auf den fenstern zum hof. das brennende holz knisterte wunderbar seltsam, wie trockenes holz knistert, wenn es verbrennt. einige wellpappstücken schwelten am rand und zerfielen letztendlich zu asche. so ist das, genau so. sonnenbrille, sonnenbrille, wer frisst eine grüne grille. der eisprung konnte sich zu keiner entscheidung durchringen. morgen ist auch noch ein tag, alte besen, ach, lass! feuer jetzt von rechts. einige fallen die treppe hoch oder gehen ins ausland. klee, futtermais, aussiedlerhäuser, enkelkinder -das ganze programm…

 

 

14.8.2016

ich bin kein bunter vogel, auch wenn ein gewisses maß an wahnsinn für kunst (ihre produktion) unerlässlich zu sein scheint. ruhmsüchtig werkeln wir an unseren werken -angespannt und konzentriert, konzentrisch konzentriert. wer läuft schon ganz rund. das spätwerk, das frühwerk, die phasen. mit und ohne terpentin, asperin, fridolin, inspiration und werksverzeichnisnummern -es könnte schöner nicht sein. blattmaße und techniken, datiert und signiert, notfalls betitelt, wenn einer auszieht das fürchten zu lernen. in die welt hinein und wieder heraus. kreuz und quer, links, rechts, grade. wer weiß schon, wohin er muss. wir kochen getrennt, aber schlafen zusammen. einige sind liegengeblieben, abgedriftet, versunken. einige hatten zwar das zeug dazu, aber keine zeit. das müssen sie dann durch doppelte anstrengung in aller ewigkeit nachholen. knapp daneben, ist auch vorbei, kann ich dir beim abtrocknen helfen? die chancen stehen gut, auch wenn bisher noch kein meister vom himmel fiel -schade irgendwie, aber verständlich. das licht bitte immer löschen und bitte, bitte, nur kurz ziehen. am längsten hebel oder wenn dir was besseres einfällt, dann ists eben, wies ist. die schuhe gehören in den schrank, basta und schluss! hatten wir das nicht schon? schön, irgendwie komisch, aber schön.