Auszug aus dem Katalogtext:

Laterne: Nun zur ersten Frage: Wenn man deine Arbeiten betrachtet, dann kann man sicher sagen, du bist ein konsequenter Abstrakter, mal von den Aktstudien abgesehen. Warum verwendest du genau diese Formensprache? Was ist der tiefere Grund dafür?

 

Frithjof Herrmann: Wie das so üblich ist, fängt man als junger Mensch an zu zeichnen. Und das heißt also, als Kind malt man eigentlich abstrakt. Irgendwelche kleinen Figuren haben eben ein L als Bein und sonst was ... Das ist diese ganz natürliche Zeichenform. Und wenn du in die Schule kommst, wird dir dann genau gesagt: So darf es nicht sein! Sondern: Die Mutti hat‘n Rock, die hat‘n großen Kopf usw., und das hat mich eigentlich in der Schulzeit schon gestört. Das heißt, wir hatten Vorgaben – das liegt natürlich am Kunsterzieher –, es muss so was gemacht werden, das muss so gemacht werden ... Und das hat mich damals schon abgestoßen. Dieses richtig realistische Durchzeichnen, das hab ich dann später erst im Studium machen müssen. Nun kommt dazu, es gab sogar einen Berufswunsch. Eigentlich hab ich gedacht, Gebrauchs-werber zu werden. Und wie das kurz nach dem Krieg war, in dem einen Jahr gab‘s eine Lehrstelle für den Konsum und das andere Jahr dann eine für die HO. Ich hatte meine Bewerbungsunterlagen, also meine normalen Schulzeichnungen. – Und zwanzig Jahre später hab ich meine Konkurrenz kennengelernt. Dessen Vater hatte eine Werbeagentur d. h. so nach dem Krieg diese riesengroßen Werbungen für‘s Kino zu machen, gerade hier in Glauchau für‘s Gloria oder oben bei den Kammerlichtspielen ... So. Damit hatte der bei seinen Eltern bzw. bei seinem Vater immer das Behandeln der Farbe gesehen. Ganz starke Farben. So, zwanzig Jahre später haben wir uns dann kennengelernt durch die „Kleine Galerie“, und da hab ich erst mal gesehen, was der in den letzten zwanzig Jahren hat machen müssen. Was war‘s denn? Ne Werbung ja. Aber eben der 7. Oktober, der Tag der Volksarmee usw. usf., also vorgegebene Klischees, und seitdem bin ich froh, dass ich diese Lehrstelle nicht gekriegt habe. - So, und jetzt zum Abstrakten. Ich spinne gerne mit Farben. Ich muss sagen, da hab ich sehr viel Phantasie. Und ich hab zwar mal etwas realistisch angefangen, aber auch da schon die Farben negiert. Als zum Beispiel: „Selbstporträt als Kranker“ vollkommen in grün oder violett. Ich hab da ein Selbstporträt stehen (F. H. zeigt in den hinteren Teil des Ateliers), da ist erkenntlich, wer dargestellt ist, aber aus meiner Sicht schon sehr abstrakt.