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Andreas Schüller: Wenn ich deine Bilder vor meinem inneren Auge vorüberziehen lasse und ich den dabei entstehenden Eindruck in Worte fassen sollte, dann fallen mir nach und nach ein: eine ausgebreitete Ruhe, eine geheimnisvolle Schwere, ein zurückgehaltenes Sein, versteckt, aber klar und der Wille, Begriffliches im Denken zu vermeiden.  Man könnte sagen, ein Denken ohne Begriffe. Beschreibungen durch Betrachtung... Gut, nun habe ich einiges  in die Runde geworfen. Kannst du selber was zu deinen Arbeiten sagen, wie siehst du dich und deine Arbeit selbst?

 

Carsten Gille: Oh, das ist immer schwierig, über sich selber zu sprechen, aber ja, wenn‘s sein muss ... Das mit der Ruhe, das würde ich schon auch so bestätigen wollen. Ich versuche, mit den Bildern eine gewisse Ruhe und Harmonie zu vermitteln. Allerdings ist das nicht gewollt, sondern sicherlich in meinem eigenen Inneren begründet. Und die Bildinhalte entstehen eigentlich auch fast ausschließlich in meinem Inneren. Also ich fange nicht thematisch an zu arbeiten, sondern habe höchstens einen ganz, ganz groben Rahmen, den ich dann vielleicht benutzen kann. Aber ansonsten fange ich einfach an, mit der Farbe zu spielen. Die Bilder entstehen. Es gibt, wenn man Glück hat, einen Punkt, wo das Bild sich selbst malt. Das ist dann ein sehr glücklicher Zustand, wenn man an den kommt, aber das ist leider nicht immer so. Ja, ansonsten gibt es natürlich ein paar Lieblingsthemen ... Im Moment befasse ich mich viel mit dem Thema Tier.  Das soll  keine Flucht sein vor dem Menschen, aber es hat sich so ergeben, dass ich momentan oft  in den Tierpark oder in den Zoo zeichnen gehe. Und dann fließen diese Wesen manchmal ins Bild ein. Zum Teil gibt es auch kleine Plastiken, die entstehen ... Ich versuche mich den Tieren  anzunähern, ohne ihnen Menschliches einzugeben. Die sollen auch Tiere bleiben, also ich benutze nicht die Tiere als Metaphern für menschliche Verhaltensweisen. Das mag ich eigentlich nicht so. Sondern ich versuche, dem Tier auf die Spur zu kommen, wenn man das so sagen kann. Und ich versuche da, eher das wirkliche, das Tier an sich zu sehen und seine Seele. Um den Menschen mal draußen zu lassen, ja? Also das ist mein Bestreben. Im Moment jedenfalls.