Auszug aus dem Katalogtext 

Laterne: Das Thema Erinnerungen scheint bei dir eine grosse Bedeutung zu haben, erst das -Alphabet der Erinnerungen- und nun -Die Erinnerungen des Waldes-. Ist es die Wehmut über das Verschwinden der Existenz - oder wie ist -Erinnerungen- bei dir zu deuten? 

Lichtblau: Nein, es ist definitiv nicht die Wehmut über das Verschwinden der Existenz! Sondern Erinnerung ist das, was unser Leben ausmacht. Du kannst nicht ins Voraus denken. Du kannst zwar träumen, aber du weisst nicht, was auf dich zukommt. Du weisst, was gewesen ist, woran du dich erinnerst. Und das hängt von verschiedenen Gegebenheiten ab, wie du dich fühlst, wie du drauf bist und welche äusseren Einflüsse gerade auf dich einwirken, woran du dich erinnerst. Das ist ein sehr variabler, ein sehr guter Prozess. Das ist unser Leben - Erinnerungen. Wir bestehen aus Erinnerungen, abgesehen von dem bisschen Biomasse. 

Laterne: Na gut, so wie du die Dinge siehst, könnte man statt Erinnerung auch Ausblick sagen, gerade in dem Bild -Die Wiederholung des Unendlichen- klingt das Thema der ewigen Wiederkehr an. Wenn Wiederkehr möglich ist, dann ist Erinnerung nicht mehr so schmerzbehaftet - oder? 

Lichtblau: Oh! Neue Frage bitte!... Nee, das würde ich jetzt nicht behaupten, ewige Wiederkehr. Also ich sehe mein Leben in einer Spirale. Wenn man von oben draufschaut, ist es, als würde ich im Kreis laufen, die selben Positionen immer wieder passieren. Aber wenn man es von der Seite sieht, ist es eine Spirale, die hoffentlich irgendwo aufwärts geht, von den Erfahrungen her, von den Emotionen. Also ewige Wiederkehr ist nicht. Bestimmte Dinge wiederholen sich auf einem höheren Niveau, wenn man Glück hat. 

Laterne: Ewige Wiederkehr meine ich, es gab mal ein Bild von dir und da hast du die Figur immer wieder wiederholt, ich meine das könnte man ja auch auf das Persönliche beziehen. 

Lichtblau: Streich mal den Aspekt. Das du jetzt sagst, die Bilder, die ich mache, beschreiben gewissermassen eine persönliche Relevanz, persönliche Zustände - ist nicht! Ich stelle Fragen. Ich stelle mich persönlich auch in Frage. Wir sind ja gewohnt, dass ein Bild eine Geschichte erzählt. Meine Bilder und meine Grafiken erzählen keine Geschichten. Die stellen Fragen. 

Laterne: Wir stellen heute auch Fragen.

Lichtblau: Ja genau, das ist richtig. Da frag ich mich warum? Die Leute fragen auch immer: Warum? Warum erzählst du keine Geschichten, warum stellst du Fragen? Ich will dir hier keine Fragen beantworten. Ich will eine Geschichte hören, die kann ich abnicken und dann kann ich weggehen. Warum stellst du mir Fragen? 

Laterne: Weil wir dich vorstellen wollen zu deiner Ausstellung, und um den Leuten, die zu uns kommen, zu erklären oder zu zeigen: was machst du. Wir wollen dich als Mensch vorstellen, der interessante Bilder malt und vielleicht auch selber eine interessante Gestalt ist.

...(Auszug aus dem Katalog)