VOLKER BEYER - Der Künstler aus Langenau hat sich als Kursleiter ganz dem Holz verschrieben. Seine ersten beruflichen Schritte ging er in einem Betrieb des erzgebirgischen Kunsthandwerks. Bald darauf folgten Studium und freischaffende künstlerische Tätigkeit. Längst hat er seine eigenen  Ausdrucksformen gefunden und ist als Künstler gefragt.

 

>>> Volkskunstschule Oederan

>>> Freiberger Kunstverein

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>>> Spielwiese der Kunst - Pleinair des Freiberger Kunstvereins

Das erste namentlich bekannte Künstler- Plain-air fand in Barbison bei Paris statt. Die Künstler hatten den Drang raus aus den Ateliers in die Natur und frei sein. Mit anderen Gleichgesinnten zusammen arbeiten und eine Zeit auch zusammen leben- offen sein für diese Dinge. Diese Tradition hat sich besonders in Europa bis heute erhalten. Ich könnte einige Beispiele aufzählen, an denen ich teilgenomen habe. Das würde aber zu weit führen. Diesmal fand es bei mir statt, in einem kleineren Rahmen. Es sollte ein Dankeschön sein für die Erlebnisse, die ich bei anderen ähnlichen Veranstaltungen hatte. (Lodz, Mirabel, Concrad, Loket, Trento, San Jose, usw.

 

Langenau, den 6.6.2017:

Die Anreise hat sich durch eine Autopanne in Prag etwas verschoben. Die Gäste aus Ungarn und Rumänien kommen erst spät in der Nacht bei mir an. Nach einer kurzen Begrüßung geht es in die Pension Lange. Doch am nächsten Tag der offizielle Empfang durch den Bürgermeister mit einem kleinen Essen, ungarischem Wein sowie Palinka aus Rumänien. Es sind gekommen: Sandor Aranyi, Sandor Dudas, Lajos Seiben aus Ungarn und Claudius Toma aus Rumänien. Der französische Künstler ist leider noch nicht da. Die deutschen Künstler kommen nach und nach dazu. Claire Heinel, Heide Fennert, Volker Träger, Harald Hellmich, Paul Brockhage und ich sind schon hier.

 

Es soll eine freie Arbeitssituation sein. Doch die Sorge um das Wetter für die Arbeitsbedingungen bleibt. Ein großes Zelt ist aufgebaut. Werkstatt und Atelier sind für den Notfall vorbereitet. Der Draht nach oben hat aber durchweg gut geklappt.

Jeder macht seine Arbeit. Ob es Skulpturen aus Stämmen von Claudius sind, Spielfiguren von Claire, Kettensägearbeiten von Paul, Experimente aus Holz, kombiniert mit anderen Materialien, von Sandor D. und Lajos, Foto- und Computer-arbeiten von Sandor A. Die in Linda lebende Heide versucht, eine Harfe zu gestalten. Volker versucht aus Ton ein Model zu formen, das er später in Holz umsetzen will. Die Porträts der Teilnehmer beginnt Harald auf das Papier zu bringen. Ein Gast war auch Rainer Lenk, der alles per Foto dokumentierte und für einen Tag war Nasser aus Bagdad dabei. Er formte zwei Fabelwesen aus Ton. Seit er in Deutschland ist, sei das sein schönster Tag, sagte er. Das hat mich sehr berührt.

 

Ich selbst habe einige Dinge vorbereitet und angefangen: Holz und eine halbfertige Bronze. Die Zeit bringt das Ergebnis. Es ist doch etwas anderes, die Beine unter den Tisch zu stecken und sich Gedanken über Kunst zu machen, oder sich an die Staffelei oder Skulptur zu stellen. Meine Erkenntnis. Ein Plain-air funktioniert nicht, wenn es niemanden gibt, der sich um die kleinen und großen Wünsche der Teilnehmer kümmert. Auch schon im Vorfeld der Veranstaltung. Ebenso Kaffee und Essen kochen. In diesem Fall hat das Annette Beyer übernommen, die Fee für alles. Sie hat sich für diese Zeit frei genommen. Danke !

 

Im vorgesehenen Programm waren zwei Stunden Porträtzeichnen mit dem 96 Jahre alten Langenauer Mitbürger Kurt Rabe. Er überraschte durch seine geistige und körperliche Fitness und hatte viel zu erzählen. Auch gehörte zum Programm eine symbolische Baumpflanzung auf der Kastanienallee mit den Künstlern, mit Gästen und dem Heimatverein. Dazu wurde Sekt, Kaffee und Kuchen gereicht. Es gab einen Tag des offenen Ateliers mit Besuchern und Freunden, als Hans Ulrich Wutzler aus Dresden spontan eine Wand bemalte. Später bei Lagerfeuer spielte er die Mundharmonika und Gitarre. Ein Hauch von Blues lag in der Luft. Durch Zufall kommen zwei Gitarristen dazu: Björn Köhler aus Eppendorf und Mario aus Linda. Was bei solchen Veranstaltungen nicht fehlen darf, zumindest wenn Ungarn dabei sind, ist der Kessel-gulasch- Pörkölt- von Sandor Aranyi. Da ist schon die gemeinsame Vor- und Zubereitung ein Erlebnis. Es gab auch ein kleines Tourismusprogramm für die ausländischen Gäste. Freiberg: Dom bei Orgelklängen, Schloß Freudenstein und natürlich die Stadt selbst. Später nach Frauenstein in die Sommergalerie Hofefeld und in die Gießerei Palasti. Auch die Volkskunstschule Oederan und Schloß Augustusburg wurden besucht.

 

Es sind nicht nur die Dinge, welche die Beteiligten wieder mit nach Hause nehmen. Es bleiben die Gespräche, die Musik, die Herzlichkeit und die leeren Flaschen. Auch die kleinen Geschenke. Der Abschlussabend fand in der Lochmühle statt mit Grillen und frisch gebackenem Brot in der schönen Landschaft. Vorher besuchten wir noch den Bergwerksstollen „drei Planeten“. Früh fahren alle weg und das Wetter wird schlechter.

 

Es ging hier nicht um künstlerische Höchstleistungen. Das ist nicht Sinn der Sache. Wenn es trotzdem so ist- um so besser. Ich sehe es eher wie ein Freundschafts-spiel beim Fußball. Das Spiel, die Umarmung danach und das gute Gefühl auf dem Nachhauseweg. Nicht das Ergebnis zählt. Diese Zusammentreffen sollten auch einen symbolischen Wert haben. Gerade in diesen Zeiten, da Andere Bomben basteln und nur Zerstörung im Kopf haben oder sich braune Gedanken  breit machen. Ich sage nur Rudolstadt und Hamburg. Natürlich kann man so eine Aktion nicht ohne Unterstützung und Hilfe von vielen Seiten veranstalten.

 

Danke an alle!

Volker Bayer